Pressemeldung der EVU
Offener Brief an Herrn Dr. Jacques Diouf, Generaldirektor der Nahrungsmittel-und Landwirtschaftorganisation der Vereinten Nationen, Rom
Sehr geehrter Herr Dr. Diouf,
In einer Pressemitteilung vom 21. Maerz 2005 mit dem Titel ' Wasser für Leben ', bezog sich die FAO auf 'die Notwendigkeit einer angemessenen Politik zum schonenderen Gebrauch von Wasser ', weil man 'eine Tonne Wasser zur Erzeugung von einem Kilogramm Weizen benoetigt'. 1)
Die Europaeische Vegetarier Union weist ausdruecklich darauf hin, dass der Wasserverbrauch fuer die Herstellung von Fleisch noch viel hoeher ist und daher auch erwaehnt werden muss.
Schon im letzten April erklaerte das International Water Institute Stockholm, dass 'die Landwirtschaft sehr große Mengen zusaetzlichen Wassers benoetigen wird. Folglich wird Wasser für Landwirtschaft ein GROSSES Thema in den naechsten Jahrzehnten sein.' 2)
In ihrem 2004-Bericht 'The global benefits of eating less meat' (Der globale Nutzen von reduziertem Fleischkonsum) 3) erklaert der 'Compassion in World Farming Trust': 'In seinem Buch 'Cadillac Desert: the American West and its disappearing water' argumentiert Marc Reisner, dass ein Pfund Rindfleisch 20 bis 80mal mehr Wasser als die 400 bis 1000 Liter benötigt, die man zur Herstellung von einem Pfund Mais benoetigt. Im 'New Scientist' (Ausgabe 18. Mai 2002) wird eine Studie aus dem Jahr 1998 im 'Forbes Magazin' vorgestellt, die angibt, daß man 50.000 Liter Wasser zur Herstellung von einem Kilogramm Beefsteak braucht. David Pimentel, ein Spezialist fuer Wasser-Ressourcen von der amerikanischen Cornell Universitaet, glaubt, daß diese Zahl noch viel zu niedrig ist und erhoeht sie auf 100.000 Liter Wasser pro Kilo Rindfleisch (verglichen mit 500 l für 1 Kilo Kartoffeln, 900 l für Weizen und Alfalfa (Luzerne), 1100 l für Sorghum (Hirsegetreideart), 1400 l für Mais, 1910 l für Reis und 2000 l für Sojabohnen).
In diesem Kontext ist es erwaehnenswert, dass ein großer Prozentsatz der globalen Getreideernte nicht fuer die hungernden Menschen bestimmt ist, sondern fuer die Fuetterung von Tieren. Dasselbe gilt fuer 90 Prozent der Sojabohnen aus Bralien, fuer deren Anbau grosse Teile des Regenwaldes zerstoert werden.
Die FAO erklärte, daß der 'Sektor Landwirtschaft einer komplexen Herausforderung' gegenuebersteht und listet eine Reihe moeglicher Massnahmen auf. Leider ist in dieser Aufstellung weder eine Verringerung des Fleischverbrauchs, noch der Vegetarismus beruecksichtigt oder auch nur angedeutet. Das ist sehr bedauerlich, da bei dem Streben nach einer nachhaltigen und humaneren Ernaehrung 'die hundertprozentige Reduzierung im Fleischverbrauch bei nur einer Person dabei helfen kann, sechs Menschen zu 'subventionieren', die ihren Fleischverbrauch noch nicht zurueckgeschraubt haben'.3)
Die Europaeische Vegetarier Union bittet Sie persoenlich, neue und vielversprechende Alternativen in Erwaegung zu ziehen und den Vegetarismus, eine sanfte und vorteilhafte Art der Ernaehrung, nun ernsthaft ueberpruefen zu lassen.
Mit freundlichem Gruss
Renato Pichler
Amtierender Praesident
Europaeische Vegetarier Union
1) 2004 Stockholm Water Symposium:
http://www.siwi.org/press/presrel_04_SWS%20Conclusions.htm
2) Compassion in World Farming Trust: The global benefits of eating less meat (2004)
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