Geschrieben/übersetzt von: Renato Pichler
Vorurteile gegen die vegetarische Ernährung
24. Februar 2005 - Versuche mit dem Ziel, die vegetarische Lebensweise in Misskredit zu bringen, sind bekannt. Der neue Fall aber stellt eine besonders bemerkenswerte Kombination von wissenschaftlich unhaltbaren Aussagen, extremen Lebensbedingungen der untersuchten Kinder und ganz offensichtlicher finanzieller Beteiligung der Fleischindustrie dar.
In einem Vortrag vor der "American Association for the Advancement of Science" in Washington machte Professor
Lindsay Allen (Universität von Kalifornien) ernste Anklagen: "Von Tieren stammende Nahrungsmittel haben einige
Nährstoffe, die nirgendwo anders enthalten sind. Hinsichtlich der Ernährung von kleinen Kindern und schwangeren und
stillenden Frauen würde ich so weit gehen zu sagen, dass es unmoralisch ist, ihnen diese Nahrungsmittel in diesen
Lebensphasen vorzuenthalten."
Unmoralisch? Die Europäische Vegetarier Union kann diese Aussage keinesfalls akzeptieren und stellt richtig:
Die Behauptung von Professor Allen basiert auf einer Studie (1) mit 544 Kindern in Kenia,
die sehr einseitig mangelernährt waren und von denen viele eine Reihe von Gesundheitsproblemen hatten,
unter anderem auch Infektionskrankheiten, die zu inneren Blutungen führen und damit zu einem Mangel
am Vitamin B12 und Eisen. Es ist bekannt, dass ein Mangel an B12 die kognitive Entwicklung von
Kindern beeinträchtigen kann. Eine positive gesundheitliche Entwicklung bei zusätzlichem
B12 ist also keinesfalls überraschend.
Obwohl die Kinder an einem Mangel an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen litten, konnte durch
die zusätzliche Gabe von Milch und Fleisch nur der Wert des Vitamin B12 im Blutplasma erhöht werden. (2)
Es muss jedoch betont werden, dass von den drei durchgeführten Tests nur einer für die Fleisch-Gruppe
günstige Ergebnisse brachte. Bei den beiden anderen ergab die Ernährung ohne tierische Produkte
(aber mit Pflanzenöl) die besten Resultate. Bei allen drei Testmethoden hatte die Milchgruppe
die schlechtesten Ergebnisse, in einem Fall sogar schlechter als die Kontrollgruppe.
Wenn man diesen mangelernährten Kindern eine sorgfältig geplante vegetarische Diät gegeben hätte,
würde man mehr für deren Gesundheit erreicht haben.
In einigen Berichten bezieht man sich auf nicht weiter spezifizierte "Vegetarier-Studien in den
Vereinigten Staaten und in Europa/Holland", aus denen hervorgehen soll, dass die Entwicklung eines Kindes
ohne Fleisch und Milchprodukte dauerhaft beeinträchtigt werden könne.
Die Untersuchungen von Professor Allen lassen sogar bei unbefangenen Beobachtern Zweifel an deren Objektivität aufkommen: Sie wurden auf einer Konferenz "Tierische Nahrungsmittel und Ernährung in Entwicklungsländern" vorgestellt, die in Washington am 24-26. Juni 2002 stattfand und von einer Reihe von Viehzucht- und Fleischgenossenschaften finanziell gefördert wurde, unter anderem von der Vereinigung der amerikanischen Rinderzüchter.
Zusammenfassung: Die Europäische Vegetarier Union stellt fest, dass eine vegetarische Ernährung
ausgewogen sein sollte, wie jede andere auch. Jedoch haben umfangreiche Studien, die über lange
Perioden und mit Tausenden von Teilnehmern durchgeführt wurden, immer wieder bewiesen, dass
die vegetarische Lebensweise gesund ist.
Renato Pichler
Amtierender Präsident
Europäische Vegetarier Union (EVU)
www.european-vegetarian.org
Contact: EVU Sekretariat
Phone: +32 65 362584,
(1) http://www.nutrition.org/cgi/content/full/133/11/3941S
(2) http://www.nutrition.org/cgi/content/full/133/11/3972S
(3) http://www.eatright.org/Public/NutritionInformation/92_17084.cfm
Statements: