Pressemitteilung der EVU
Brüssel, 25 Juni 2003
Vegetarismus kann zur Lösung des Welthungerproblems beitragen
Am 23. Juni 2003 eröffnete der amerikanische Präsident Bush
die Konferenz und Ausstellung der landwirtschaftlichen Wissenschaft und
Technologie in Sakramento, und einige Tage davor, am 20. Juni, sprach
der Generaldirektor der Nahrungsmittel- und Landwirtschaftorganisation
der Vereinten Nationen in seiner Begrüssungsrede anlässlich
der internationalen Konferenz über das Recht auf Ernährung und
die Kosten des Hungers in Rom über das „fundamentale Menschenrecht
auf Ernährung“.
Zweifellos werden überall grosse Anstrengungen gemacht im Kampf gegen
den Welthunger, aber die Weltgemeinschaft hat noch nicht gelernt, diesen
mächtigen Gegner zu besiegen. Ist es denkbar, dass die traditionelle
Strategie nicht wirksam ist und dass die Zeit nun reif wird für andere
Alternativen?
In diesem Zusammenhang möchte die Europäische Vegetarier Union
auf die Vorzüge einer vegetarischen Ernährung hinweisen, die
ohne jeden Zweifel die globale Ernährungslage entscheidend verbessern
könnte. Es sollen nur einige der Probleme aufgezählt werden,
mit denen die Menschheit heute und in den kommenden Jahrzehnten konfrontiert
wird (basierend auf den Ergebnissen der FAO Studie «World agriculture:
towards 2015/2030»):
Gegenwärtig sind 776 Millionen Menschen unterernährt (einer
von sechs) und obwohl die Produktion von Getreide um fast eine Milliarde
Tonnen seit Mitte der 60er Jahre erhöht werden konnte, ist ein hoher
Prozentsatz davon nicht für den menschlichen Gebrauch bestimmt: Etwas
über ein Drittel des totalen Weltertrages wird an Tiere verfüttert
und auch ungefähr ein Viertel des gesamten Fischfangs.
Die regionalen Unterschiede im Fleischkonsum sind eindrucksvoll, nämlich
120 kg in Amerika und 25.5 kg in Entwicklungsländern, aber überall
wird sich lt. FAO Studie der Fleischverzehr in der Zukunft steigern. Wenn
also die gegenwärtige Entwicklung beibehalten wird, muss für
die 6.8 Milliarden Weltbürger von Morgen die Zahl der Schlachttiere
in absoluten Zahlen noch erheblich erhöht werden: Zusätzliche
360 Million Rinder und Büffel, 560 Million Schafe und Ziegen und
190 Millionen Schweine werden dann bis 2030 benötigt, was einem Anwachsen
um 24, 32 beziehungsweise 22 Prozent entspricht. Ausserdem ist damit zu
rechnen, dass diese Tiere in Intensivhaltung heranwachsen werden und unter
der Anwendung von besonderen Zuchtverfahren, nach denen sie grösser
und fetter werden, so dass ein Tierkörper schliesslich 211 kg wiegt
(verglichen mit 174 kg im Jahre 1967).
Dieses spektakuläre Anwachsen der Schlachttierzahlen wird den Druck
auf die Umwelt enorm erhöhen. Schon heute wird für die Tierzucht
der grösste Anteil von verfügbarem landwirtschaftlichem Terrain
genutzt: 1999 waren 3460 Million Hektar als permanentes Weideland reserviert
– mehr als das Doppelte gegenüber der für Anbau genutzten
Fläche. Eine derartige Konzentration führt zu ernsten Bodenschäden,
und das Abholzen vom Regenwald bringt Versteppung mit sich. Intensiver
Tierhandel erhöht das Risiko von Krankheitsübertragungen und
Umweltproblemen, von denen nur einige genannt werden sollen: Abforstungen,
Bodenschäden, -versiegelung und -versalzung, Wasserbelastungen durch
Nitrate, Phosphate und Pestizide, die Entwicklung der Treibhausgase Methan
und Stickoxyd und ein stetig fortschreitender Verlust der Artenvielfalt.
Gegenwärtig ist die Tierhaltung verantwortlich für 40 % der
weltweiten Ammoniakemissionen (die schätzungsweise bis zum Jahr 2030
um mindestens 60 % anwachsen werden), die als Hauptverursacher vom sauren
Regen angesehen werden. Gefährdungen der menschlichen Gesundheit
dürfen auch nicht vergessen werden, denn Schlachttiere werden in
vielen Ländern noch immer unter Einsatz von Antibiotika und Wachstumshormonen
aufgezogen.
Die Europäische Vegetarier Union bedauert, dass eine vegetarische
Alternative hinsichtlich all dieser Probleme nicht ernsthaft (oder gar
nicht) untersucht wird. In diesem Zusammenhang soll nur eine einfache
Statistik genannt werden: Auf der offiziellen Homepage der FAO bringt
die Suchvorrichtung 180 Ergebnisse bei der Frage nach Fleisch, Fleischverbrauch
und Schlachten, verglichen mit zwei Treffern bei Vegetarismus, pflanzliche
Ernährung und Tierschutz.
Da unsere Umwelt von Morgen durch zunehmend intensive Fleischproduktion
bedroht wird, ist die Suche nach sanfteren Alternativen immer dringender.
Vegetarismus bietet eine ideale Lösung, die ausreichende Nahrungsversorgung
mit Umwelt- und Tierschutz verbindet und, das soll keinesfalls vergessen
werden, zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens führt. In
einem kürzlich veröffentlichten Bericht «Diet, Nutrition
and the Prevention of Chronic Diseases» hebt die Weltgesundheitsbehörde
WHO die Vorteile von Obst und Gemüse hinsichtlich einer Vielzahl
von Gesundheitsproblemen klar hervor.
Eine fleischlose Ernährung bietet einen vielversprechenden und einfachen
Weg in die Zukunft. Aus diesem Grund fordert die Europäische Vegetarier
Union die Entscheidungsträger auf, diesen gewaltlosen Lebensstil
genauer zu untersuchen.
Europäische Vegetarier Union
e-Mail
website: http://www.european-vegetarian.org
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