Pressemitteilung der EVU
Brüssel, November 2002
Beitrag zum Europäischen Konvent
Die Europäische Vegetarier Union, eine für die Interessen von
Millionen europäischer Vegetarier tätige Dachorganisation, nimmt
die anstehende Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft als Anlass
für einige kritische Anmerkungen.
Die neu entstehende politische Einheit wird für alle betroffenen
ungefähr 453 Millionen Bürger Veränderungen mit sich bringen.
Zwar wird die Erweiterung die Bedeutung Europas zweifellos verstärken,
jedoch ist gleichzeitig auch damit zu rechnen, dass bisher nicht gelöste
Probleme
noch verschärft werden.
Unter anderem geben die folgenden Punkte Anlass zur Besorgnis:
Nahrungsmittelsicherheit: Grosse Unsicherheiten im Fleischsektor
und damit verbundene Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit
sind immer noch nicht unter Kontrolle. Als ein Beispiel unter vielen nennen
wir BSE: Trotz aller Anstrengungen, einschliesslich der Tötung von
Millionen von Tieren, ist die tatsächliche Problematik in der Vergangenheit
offensichtlich falsch beurteilt worden (AP am 9. Okt. 2002: «laut
einer am Mittwoch veröffentlichten Studie betraf die Rinderwahn-Epidemie
der 90er Jahre etwa eine Million Kühe mehr als angenommen. Wissenschaftler
vom Imperial College in London berichteten, dass aufgrund ihrer Untersuchungen
fast 2 Millionen Kühe von BSE befallen waren. In früheren Schätzungen
hatte die Zahl der infizierten Kühe bei 1.05 Millionen gelegen»)
und ist auch heute noch nicht unter Kontrolle. (AP berichtete am gleichen
Tag «Italien meldet den 75. Fall von BSE»; am 23. Oktober
2002 veröffentlichte AFP die Nachricht über die 11. BSE Infizierung
in Dänemark).
Subventionen: Kürzlich las man auf der EU Homepage:
«Im Rindfleischsektor wurden seit Beginn der zweiten BSE-Krise im
Oktober 2000 neue Maßnahmen getroffen, um den Angebotsüberhang
infolge der rückläufigen Nachfrage zu verringern ...»
Welch vielversprechende Initiative! Falls aber nachdrückliche Weigerungen
einiger Mitgliedsländer effektive Massnahmen zur Regulierung auch
weiterhin vereiteln, wird die unakzeptable Situation von Überproduktion
sich in einer erweiterten Europäischen Gemeinschaft noch mehr zuspitzen
(der britische EU Repräsentant kommentierte: «Die
Osterweiterung der EU wird zu einem Anwachsen der bebaubaren Flächen
führen, zur Verdoppelung des verfügbaren landwirtschaftlichen
Arbeitspotentials und zu einer wahrscheinlichen Überproduktion von
Zucker, Milch und Fleisch ...»).
Fleischkonsum: Die Vorteile einer pflanzlichen Ernährung
(s. auch die Empfehlungen der
WHO 2003) werden immer offensichtlicher und die Warnungen im Zusammenhang
mit übermässigem Fleischkonsum immer häufiger und dringlicher.
Aber trotz aller Bedenken von Ärzten, Wissenschaftlern, Umweltschützern
und für das Wohl von Tieren arbeitenden Organisationen bleibt die
Unterstützung der Fleischindustrie eine Priorität in allen nationalen
und EU Etats. Wir betonen, dass Alternativen zur traditionellen Fleischernährung
vorhanden sind, die gesundheitlichen, wirtschaftlichen, ökologischen
und ethischen Ansprüchen bestens
entsprechen.
Für alle vegetarischen Organisationen ist die Information über
die Vorteile einer pflanzlichen Ernährung von allerhöchster
Priorität. Wir möchten daher die Gelegenheit der anstehenden
Erweiterung nutzen, um unseren Lebensstil als einen hoffnungsvollen Weg
in die Zukunft
aufzuzeigen: eine vegetarische Lebensweise verbessert die Nahrungsmittelsicherheit
und führt somit zu einer besseren öffentlichen Gesundheit, sie
schont natürliche und finanzielle Ressourcen, ist hilfreich im Kampf
gegen Ungerechtigkeit und Welthunger - und vor allem
reduziert sie Tierleid.
Obwohl die Anzahl von Vegetariern in Europa rasant anwächst, wird
deren Recht auf eine angemessene Ernährung oft nicht respektiert.
Aus diesem Grund müssen Gesetze geschaffen werden, die vegetarische
Alternativen in den Kantinen aller öffentlichen Einrichtungen (Krankenhäuser,
Schulen etc.) garantieren.
Die Europäische Vegetarier Union fordert daher alle Verantwortlichen
in Europa auf
- den Vegetarismus offiziell als gültige und nutzbringende Art der
Ernährung anzuerkennen
- den Anspruch auf vegetarische Ernährung als Menschenrecht zu akzeptieren
- der menschlichen Gesundheit und dem Schutz von Tieren Vorrang zu geben
vor wirtschaftlichen Interessen
- Verhandlungen zur strikten Vermeidung von Überproduktion abzuschliessen
- vom «Export» von Tierfabriken in die neuen Länder abzusehen.
Der Vorstand und die Mitglieder der Europäischen Vegetarier Union
werden allen derartigen Bemühungen jede nur mögliche Unterstützung
geben.
Dr. Igor Bukovsky
President European Vegetarian Union
e-mail
website: www.european-vegetarian.org
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