Europäische Vegetarier Union

Geschrieben/übersetzt von: Georgia Blackwell

Pressemitteilung der EVU

 

OFFENER BRIEF an

Herrn Dr. Jacques Diouf
Generaldirektor
Nahrungsmittel-und Landwirtschaftorganisation der Vereinten Nationen, Rom


Bratislava/Brüssel – Juni 2002


Fleischproduktion zerstört Ressourcen



Sehr geehrter Herr Dr. Diouf,

die Europäische Vegetarier Union, die Dachorganisation für 200 europäische vegetarische Gruppen und Einzelpersonen, nimmt die Gelegenheit des «Weltnahrungsmittelgipfels, fünf Jahre später» in Rom zum Anlass, zu einem der dramatischsten globalen Probleme Stellung zu nehmen.

Nach Information des «World Food Programme» leidet heute einer von sieben Menschen an Hunger. Unterernährung ist ein bedeutender Grund dafür, dass 11.000 Kinder jeden Tag sterben müssen, alle acht Sekunden eins. Obwohl die Charter der Vereinten Nationen den Anspruch auf Nahrung als ein fundamentales Menschenrecht nennt, hungern Hunderte von Millionen armer Menschen.

Reiche Nationen dagegen investieren zunehmend und in nicht vertretbarem Ausmass in die Produktion von Fleisch, das von Tieren stammt, deren Futter aus Entwicklungsländern importiert wurde, deren Gülle Land, Grundwasser und Flüsse verunreinigt und deren Appetit zu Zerstörung und sogar Versteppung grosser Landstriche führt. Diese verschwenderischen Verfahren üben nicht nur extremen Druck auf die Umwelt und klimatische Bedingungen aus, sondern führen auch zu einer Verlängerung der Nahrungskette. Dabei wird auch nicht bedacht, dass über den Umweg des Tieres ein Grossteil der kostbaren Nährstoffe aus Getreide und Hülsenfrüchten über die Gülle, Mist und den unverzehrbaren Anteil des Tieres verloren geht. Durch den direkten Konsum von hochwertiger pflanzlicher Nahrung würde man hingegen ein Mehrfaches an Nahrung auf demselben Land mit geringeren Kosten erzeugen können.

Bereits 1996 wurde auf dem Weltnahrungsmittelgipfel in Rom angestrebt, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Hungernden auf 415 Million weltweit zu verringern. Jedoch mussten Sie in Ihrer Ansprache beim «World Food Day» im Oktober 2001 zugeben, dass wir «am Beginn des dritten Jahrtausends immer noch weit davon entfernt sind, allen Menschen ausreichend Nahrung zu bieten, wann und wo sie diese benötigen.»

In Nicosia schlugen Sie ein paar Monate später die Unterstützung europäischer Länder in Form eines Technologietransfers vor, der in den Entwicklungsländern auch für die Viehzucht eingesetzt werden soll.

Sehr geehrter Herr Dr. Diouf, die neuesten Techniken der Viehzucht sind alles andere als ein sicherer Exportartikel! Gerade in den letzten Jahren mussten Europäer ernste Krisen durchleben, die auch jetzt keinesfalls behoben sind und die klar demonstrieren, dass wirkliche Nahrungsmittelsicherheit in reduzierter statt in vermehrter Fleischproduktion besteht.

Aus diesem Grund wirbt die Europäische Vegetarier Union für eine vegetarische Alternative: gesunde, nicht durch Gentechnik belastetet pflanzliche Nahrung, produziert durch nachhaltigen Anbau, die Gegebenheiten und Traditionen der lokalen Bevölkerung respektierend, akzeptabel für Anhänger aller Religionen und angepasst an klimatische Besonderheiten und vorherrschende Artenvielfalt.

Wir bitten Sie, zur Selbsthilfe in Krisengebieten beizutragen dadurch, dass Sie nicht zu intensiverer Viehzucht, sondern zum verstärkten Anbau von Nahrung für den direkten menschlichen Verzehr aufrufen.

Mit freundlichem Gruss


Dr. Igor Bukovský, President
Herma Caelen, Generalsekretärin
European Vegetarian Union - Secretariat
e-mail
website: www.european-vegetarian.org

 



 


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