Vegetarische Sportler


Emerich Rath

Der Sportler Emerich Rath, der Vegetarier war, wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berühmt, ist heute jedoch kaum mehr bekannt. So möchten wir ihn in dieser Zeitschrift vorstellen.

Rath gewann mehr als 500 Wettbewerbe, Meisterschaften und Rennen in ganz Europa. Er war deutscher Meister im Schwergewichtboxen, Meister im Langstreckenlauf und -rennen, ein Pionier und Meister des Skilaufs und Teilnehmer an den Olympischen Spielen in London (1908) und Stockholm (1912). Er stand überdies für die ersten Bücher über Bodybuilding Modell.

Emerich Rath wurde 1883 in Prag als Sohn einer deutschen Familie geboren und verbrachte seine Kindheit im Norden Böhmens (jetzt Tschechische Republik). Im Alter von sechzehn Jahren wurde er Vegetarier und verkündete stolz nach jedem gewonnenen Wettkampf, dass er Vegetarier war. Er zog nach Deutschland, war aktiv in vielen Sportvereinen und wurde einer der besten Langstreckenathleten.

Als berühmter Sportler und Vegetarier wurde er in vielen Magazinen und Büchern geehrt. Ein Zitat aus dem Buch „Fleshless Diet“ (J. L. Buttner, New York 1910):

„Herr Rath gewann den Wettkampf über fünfzig Kilometer mit militärischer Ausrüstung, der vom Berliner Sportclub Komet veranstaltet wurde. Seine Ausrüstung wog rund 28 kg und er legte die Entfernung in sechs Stunden und 32 Minuten zurück. Medizinische Untersuchungen zeigten, dass Raths Herz nach Beendigung in ausgezeichneter Verfassung war und er nur 2,8 Kilogramm verloren hatte, während andere Teilnehmer des Wettbewerbs bis zu vier Kilo verloren hatten.“

Rath würde später diesen Wettkampf in sechs Stunden und 13 Minuten zurücklegen und sein Rekord wurde niemals geschlagen. 1905 veröffentlichte er ein Buch über seine Trainingsmethoden. Er schrieb: „Ich wurde im Alter von sechzehn Jahren Vegetarier und kann ohne Zweifel behaupten, dass eine fleischlose Ernährung einen körperlich höchst aktiven Mann ausreichend versorgen kann.“ Er aß hauptsächlich frisches Obst, Brot, Nüsse und Samen, Gemüse und trank gelegentlich Milch. Er war außerdem Abstinenzler. Während seiner Langstreckenläufe aß er Rosinen und Mandeln und trank Grapefruitsaft.

In einem Artikel, der in der Zeitschrift „Olympic Review“ 1941 veröffentlicht wurde, finden sich folgende Angaben von C. Diem:

„Ich erinnere mich, dass sich unter diesen siegreichen Vegetariern ein herausragender Dauerläufer befand, Sieger unzähliger Packmärsche sowie Wettbewerbe im Dauerlauf und Skilanglauf, der Prager Emerich Rath. Er war überhaupt kein dünner Mann, wie dies oft bei Vegetariern der Fall ist. Ganz im Gegenteil war er von untersetzter und athletischer Statur und hatte besonders starke Knochen sowie eine kolossale Muskelentwicklung, ein wahrer Herkules.“

1929 eröffnete Rath sein eigenes Sportgeschäft in Prag und es avancierte rasch zu einem der besten Läden der Stadt. Sollten Sie sich jemals in Prag aufhalten, gehen sie durch die Straße mit dem Namen „Na Prikopech“, in deren Mitte sich eine Passage zum „Ovocny trh“ Platz befindet, wo sein Sportgeschäft war. Die Passage ist nach ihm benannt: „Rath’s Passage“, aber nur wenige Leute wissen, weshalb sie so heißt.

1954, im Alter von 71 Jahren, konnte er immer noch einen Wettlauf über zehn Kilometer in sehr guter Zeit absolvieren. In einem Brief an den Weltvegetarierkongress in Hamburg im Jahre 1960 wünschte er der vegetarischen Bewegung alles Gute. Er beschrieb u.a. wie er plante, per Fahrrad und ausgerüstet mit einem Zelt zu den Olympischen Spielen nach Rom (eine Reise von mehr als 3000 Kilometern) zu fahren. Zu dieser Zeit war er 77 Jahre alt!

Er erhielt jedoch keine Erlaubnis die Tschechoslowakei zu verlassen, sodass der Champion und frühe Olympiawettkämpfer die Spiele nur am Fernseher und im Radio mit verfolgen konnte. Gerade bei diesen Olympischen Spielen triumphierte übrigens ein anderer Vegetarier, Murray Rose (s.u.). Emerich Rath starb am 21. Dezember 1962 im Alter von 79 Jahren in einem Seniorenheim. In seinen Aufnahmepapieren für das Altenheim findet man die Angaben „möchte arbeiten und Sport treiben“.

2003 jährte sich Raths Geburtstag zum 120. Mal. Emerich Rath war ein wahrer Europäer. Er war als Sportler überall in Europa aktiv, sprach acht Sprachen und war Mitglied vieler Sportvereine in der Tschechoslowakei, Deutschland und Großbritannien. Die tschechische vegetarische Gesellschaft nominierte Rath für den Fairness-Preis des tschechischen olympischen Komitees und er erhielt diese Auszeichnung posthum im März 2004.

Neben Rath gibt es eine Reihe anderer Athleten, die eine vegetarische Lebensweise verfolgen. Wir möchten Ihnen hier einige dieser vorstellen.

Murray Rose

Mit viermal olympischem Gold, einer Silber- und einer Bronzemedaille ist Murray Rose eine der unstrittigen Legenden unter den australischen Schwimmern. In den späten 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts war er über 400 m und 1 500 m unschlagbar und stellte damit insgesamt 15 Weltrekorde auf. 1956 bei den Spielen in Melbourne erlebte Rose den Höhepunkt seiner Karriere. Er gewann drei Goldmedaillen in den Disziplinen über 400 m, 1 500 m und 4 x 200 m Freistilstaffel.

Rose war gerade einmal siebzehn Jahre alt, als er seinen Hat-Trick der Goldmedaillen in Melbourne gewann. Seine ungewöhnliche vegetarische Ernährung, zu der auch Meerespflanzen zählten, brachte ihm den Beinamen des „Seaweed Streaks“ (Anmerk. d. Übers.: etwa: „der Seetangblitz“) ein.

Edwin Moses

Edwin mag sich vor mehr als einem Dutzend Jahren aus dem Wettkampf im Mittelhürdenlauf zurückgezogen haben. Dennoch ist sein Einfluss auf dieses Ereignis heute noch spürbar. Auf der Liste der 25 Sportler mit der Gesamtbestzeitleistung über 400 m Hürden taucht der Name Edwin Moses immer noch dreizehn Mal auf.

Edwin gewann zwei Goldmedaillen bei olympischen Wettkämpfen und verpasste die dritte, die ihm fast sicher gewesen wäre, wegen des Olympia-Boykotts der USA 1980. Er brach viermal den Weltrekord, gewann die ersten beiden Weltmeisterschaften und nahm einst fast ein Jahrzehnt lang teil (122 Finale), ohne einen Wettlauf zu verlieren.

Moses ist nicht nur Vegetarier, er sprach sich auch gegen den Einsatz von Drogen zur Leistungssteigerung aus. Er erkannte frühzeitig die destruktive Wirkung solcher Drogen für Athleten, sowohl auf die Gesundheit des Sportlers als auch auf den Sport selbst. 1993 nahm er zum ersten Mal in der Öffentlichkeit die große Herausforderung an, als er Drogen zur Leistungssteigerung aktiv den Kampf ansagte. Gemeinsam mit anderen engagierten Leichtathleten wurde er ein Pionier in der Entwicklung, Administration und Durchführung der strengsten randomisierten Drogentestsysteme bei Wettbewerben, die es in der Welt des Sports gibt.

Martina Navratilova

Der Sieg 2003 im gemischten Doppel brachte Martina Navratilova die dem Rekord entsprechende Marke von zwanzig Wimbledon Titeln ein, - eine Ehre, die sie mit Billie Jean King (einer weiteren vegetarisch lebenden Athletin) teilt. Ihre neun Einzeltitel in Wimbledon sind immer noch unerreicht, ebenso wie ihre Leistung zwischen 1982 und 1987 sechsmal in Folge gewonnen zu haben, was sie zur ultimativen Wimbledon-Königin macht. In den späten 1970er und im Verlaufe der 1980er Jahre erhob Navratilova durch ihren kraftvollen und aggressiven Einsatz das Spiel der Damen auf ein bisher ungekanntes Niveau.

Die in der Tschechoslowakei geborene Linkshänderin, die 1975 als Amerikanerin eingebürgert wurde, setzte auch neue Standards mit ihrer erstaunlichen Fitness und ihrem Engagement. Zu Beginn ihrer Karriere war ihre Rivalität mit Chris Evert eine der größten, die man im Sport je erlebt hatte. Sie zog sich 1994 zurück, um jedoch später als Doppelmatchspielerin zurückzukehren, was ihr schließlich diesen berühmten 20. Titel einbrachte.

Als Vegetarierin und Tierschützerin rief sie kürzlich die australische Regierung und Premierminister John Howard dazu auf, der schmerzhaften Methode des sog. „mulesing“, einer Verstümmelung von Schafen, ein Ende zu setzen. Die meisten australischen Schafe werden diesem Verfahren unterzogen, wobei die Schafzüchter Hautfalten unterhalb des Schwanzes der Schafe wegschneiden, damit sich eine wollfreie Narbe bildet und so der Befall mit Schmeißfliegen verhindert wird (Schmeißfliegen legen ihre Eier in der feuchten Wolle ab und die Larven fressen sich in das Fleisch des lebenden Schafes hinein). Dies wird ohne Anästhesie durchgeführt. Man bedient sich dieser Form der Prävention, da sie als billiger und einfacher gilt als Alternativen wie die regelmäßige Schafschur. Diese Praktiken sind im Vereinigten Königreich verboten.

Sean Yates

Sean Yates ist einer der beliebtesten und erfolgreichsten Radfahrer Großbritanniens, der eine Generation von Fahrern inspirierte, nachdem er eine Etappe bei der Tour de France gewann. In einer professionellen Karriere mit fünfzehnmaliger Teilnahme an dem Wettkampf fuhr Sean siebzehn große Touren und zahllose Klassiker, wobei er viele große Siege entlang des Weges errang. Er trug das gelbe Trikot der Tour de France, gewann den Grand Prix Eddy Merckx, Etappen sowohl bei der Tour de France als auch bei der Vuelta a España, bei den Wettkämpfen National Road Race Championship und US Pro Championship sowie der Tour of Belgium. Nachdem er sich als einer der weltbesten Zeit-Rennfahrer einen Namen gemacht hatte, stellte Sean mit seinem Sieg beim Ausscheidungsrennen der Tour de France 1988 einen Rekord für die schnellste Etappe in der langen Geschichte des Wettkampfes auf. Während seiner Karriere engagierte er sich auch, indem er seinen verschiedenen Teamführern über die Jahre hinweg hilfreich war. Lance Armstrong war einer dieser, die von seinen Diensten profitierten. Yates, der sich 1996 zurückzog, hat kürzlich einen Dreijahresvertrag unterzeichnet. Dieser sieht vor, dass er das kürzlich von Armstrong gebildete Discovery Channel Team anführen soll. Das Team formiert sich um den sechsmaligen Sieger des gelben Trikots, der zum siebten Mal gewann, was bisher noch niemandem gelungen war.

Der Vegetarier Yates machte sich bereits einen Namen als Sportdirektor beim Team von Linda McCartney Foods, einem professionellen Radteam, das von dem Hersteller vegetarischer Nahrungsmittel gesponsert wurde.