Geschrieben/übersetzt von: Monica Saha / Sonja Dudenbostel
Die
diesjährigen EVU Talks fanden vom 30. April bis 3. Mai erstmals im wunderschönen Zagreb
statt, der Hauptstadt und größten Stadt in Kroatien.
Die
Veranstaltung wurde mit Hilfe der Animal
Friends Croatia organisiert,
die in den vier Tagen phantastische Arbeit geleistet haben, so dass
die Veranstaltung ein voller Erfolg wurde. Die Teilnehmer waren aus ganz Europa angereist, darunter England,
Nordirland, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien und Slowenien.
Donnerstag
Abend hatten wir Gelegenheit, die Veranstalter von Animal
Friends Croatia in ihrer
Geschäftsstelle zu treffen, wo sie uns ein fantastisches veganes
Essen aus lokalen Spezialitäten servierten. Es war spannend, mehr
über die
Animal
Friends Croatia und
ihre Aktionen und Kampagnen zu erfahren, z.B. über ihren eigenen
Channel auf YouTube unter
www.youtube.com/afcroatia .
Veranstaltungsort
der EVU Talks war das Human Rights
Centre in Zagreb. Die
Veranstalter von Animal
Friends Croatia hatten
dort für 3 Tage Frühstück mit einer großen Auswahl an veganer
'Wurst' und 'Käse', Tofu, Pastete, Brot, Dips, Müsli, Sojamilch,
Kräutertee und Säften arrangiert. Freitag und Samstag gab es auch
ein veganes Buffet. Zuständig für die Verpflegung war ein lokales
Hare Krsna Restaurant und Catering-Vegehop.
Das
Treffen am Freitag begann mit einer Einführung in die kroatische
Vegetarierbewegung, die von Anita
Euschen, Koordinatorin für internationale Kampagnen bei Animal
Friends Croatia, gehalten
wurde. Animal
Friends Croatia wurde
im Jahre 2002 mit dem Ziel gegründet, Tierrechte, Tierschutz und
Vegetarismus zu fördern. Die Organisation hat aktuell fast 3.400
Mitglieder und mehr als 24.000 Förderer weltweit. Sie hat rund 250
Kampagnen organisiert, darunter Lobbyismus für neue Gesetze gegen
das Leid und die Misshandlung von Tieren.
Es
folgte ein interaktiver Workshop mit dem Titel „Let's Eat Our Way
to a Sustainable Future", der von mir organisiert worden war. In
diesem Workshop sprach ich viele Themen an, z.B. was wir eigentlich
unter nachhaltiger Zukunft verstehen, wie diese vom Klimawandel
beeinflusst wird, Fakten über die Umwelt, Katastrophen der
Fleischindustrie, usw. Ich bat die Anwesenden, sich darüber Gedanken
zu machen, was die öffentliche Meinung als Ursachen für den
Klimawandel ansieht; was man über die Umwelt denkt; warum es der
Umwelt hilft, Vegetarier/Veganer zu werden; und was man als
Individuum oder Gruppe selbst tun kann. Die Arbeit und Diskussion der
Gruppen führte zu einer Vielzahl von Vorschlägen, aus denen
Debatten entstanden, insbesondere über das PETA-Video „Meat's
Not Green - Fleisch und der
Klimawandel" und
über die Kontroverse „Veganer mit Geländewagen vs. Radfahrenden
Fleischesser". Um ein wenig Spaß in dieses ernste Thema zu
bringen, verteilte ich am Ende des Workshops ein Quiz über Fleisch
und Klimawandel.
Nach
dem Mittagessen gab EVU Präsident Renato
Pichler einen Überblick
über das Thema, dem eine Gruppendiskussion folgte. In der Diskussion
ging es um die Frage, auf welchem Weg Fakten verbreitet werden
sollten. Ein Vorschlag war, Politikern Beispiele zu geben und
Expertenkommittees, die als Berater für die Regierung arbeiten, mit
Fakten zu versorgen. Politikern zu zeigen, dass sich genug Leute für
eine gesunde vegetarische Ernährung interessieren, würde ihr
Interesse wecken, da sie eher auf das hören, was die Mehrheit der
Bevölkerung möchte.
In
der letzten Diskussionsrunde an diesem Tag hielt Francesco
Maurelli, Vizepräsident
der TEVA (Tutmonda
Esperantista Vegetarana Asocio = Weltbund Esperanto-sprechender
Vegetarier), einen
Vortrag zum Thema „Nachhaltige Umwelt: ein Portrait Italiens." Er
beleuchtete dabei den aktuellen Stand der nachhaltigen Umweltpolitik
in Italien, mit Blick auf Ernährung, Transportwesen und Energie.
Eine besonders schockierende und gleichzeitig amüsante Stelle seines
Beitrags war die Anekdote über Franceso Lucara, den
stellvertretenden Umweltminister, der in einem Interview in der Le
Iene Show erklärt hatte, dass es „ernstzunehmende Beweise gäbe,
dass ein vermehrter Ausstoß von CO2 der Umwelt zugute kommt", dass
„die Natur das eigentlichen Problem ist" und dass „die Pole
wegen der Bergsteiger schmelzen". Nicht alle teilen diese Meinung.
Der ehemalige italienische Gesundheitsminister Umberto
Veronesi stellte fest:
„150 Millionen Tonnen Getreide werden jährlich an Tiere
verfüttert, die wir essen, anstatt es den Menschen zu essen zu
geben" und „Jedes Jahr wird ein Stück des Amazonas Regenwaldes
von der Größe Österreichs zerstört, um Platz für Tiere zu
schaffen".
Nachdem
wir über diesen Punkt diskutiert hatten, erhielten wir von einem
Mitglied der Animal
Friends Croatia eine Stadtführung
durch Zagreb. Abends
aßen wir im Feng
Shui Centre. Das Zentrum
liegt in einer herrlichen ländlichen Umgebung außerhalb Zagrebs und
verfügt über einen großen Vegeclub, wo Workshops, diverse Kurse
zur persönlichen Entwicklung und Gesundheitsbehandlungen
stattfinden. Die makrobiotischen Vorspeisen und Hauptgerichte waren
ausgezeichnet und hinterließen ein Gefühl von Reinigung und
Harmonie.
Sonntag
Morgen veranstaltete Sebastian
Zosch von der VEBU
(Vegetarierbund
Deutschland) einen
Workshop zum Thema „Zusammenarbeit verbessern und von den besten
lernen. Was können wir von den erfolgreichsten Vegetarierverbänden
in Europa lernen?" Im Workshop wurde deutlich, dass sowohl
Basisorganisationen als auch Gesellschaften sinnvoll sind. Es zeigte
sich auch, dass Sex ein öffentlichkeitswirksames Mittel für
Kampagnen ist, z.B. das Video Rude Food der Vegetarian Society
UK. Noch interessanter
wurde es, als plötzlich eine Debatte über die Frage ausbrach,
welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es innerhalb der religiösen
Gruppierungen bei der Frage gibt, was „vegetarisch" ist.
Beispielsweise gelten Eier in der indischen Gemeinde als
nicht-vegetarisch. Als
britische bangalische
Veganerin stimme ich damit überein, dass man für eine
Standarddefinition die Werte aller ethnischen Gruppen berücksichtigen
muss und sie nicht als bloße Minderheit abtun darf.
Nach
dem Workshop hielt Francesco
Maurelli einen
Vortrag über das
internationale Polnisch-Esperanto
Vegetarier Symposium,
das am 25. Juli 2009 in Polen stattfinden sollte. Francesco betonte
in seiner Rede die Verbindung zwischen Vegetarismus und Esperanto
hinsichtlich Lifestyle, Rechten und Brüderlichkeit. Schätzungsweise
3 Millionen Menschen weltweit sprechen Esperanto, dessen Ziel es ist,
die Grenzen der Sprachen zu überwinden und eine einfache, neutrale
Sprache zu schaffen. Das Symposium steht allen offen und ist eine
großartige Gelegenheit,
hiesige Vegetarier
oder Tierrechtsorganisationen und ihre Arbeit kennen zu lernen und
eine sich entwickelnde Bewegung in einer Gegend Europas zu
unterstützen, die in dieser Hinsicht bisher vernachlässigt wurde.
Sonntag
fuhren wir nach dem Mittagessen zur ersten kroatischen Asylfarm im
Dorf Kostanj. Hier lebt eine Vielzahl geretteter Tiere, darunter eine
Kuh und ein Stier, Schweine, Gänse und Hasen. Besonders bewegte mich
der Anblick eines einäugigen Schweins, das wegen eines
Geburtsfehlers nicht richtig auf seinen zwei Vorderbeinen laufen
konnte. Die Besitzerin des Asyls sagte uns, dass sie in Zukunft noch
mehr Tiere retten möchte. Es war bewundernswert und sehr
ermutigend zu sehen,
wie liebevoll sie und ihr Mann den Tieren halfen und sich um sie
kümmerten. Auf dem Rückweg in die Stadt sahen wir im Bus das Video
Truth
or Dairy, präsentiert
vom veganen Dichter Benjamin
Zephaniah. Nach unserer
Rückkehr veranstalteten wir unsere Jahreshauptversammlung in den
Räumen der Animal
Friends Croatia. Am Ende
stand der Vorschlag, die nächste Jahreshauptversammlung mit den
Talks in
der Schweiz abzuhalten, da bald ein veganes 4-Sterne-Hotel in der
Nähe des Bodensees eröffnen wird.
Später
am Abend besuchten wir eine offene Veranstaltung im
Kulturinformationszentrum, die von den Animal
Friends Croatia organisiert worden war. Dort gab es u.a. Vorträge der EVU von Hildegund
Scholvien und über
das internationale V-Label Projekt von Renato
Pichler.
Zur Vorlesung über die Vorteile einer vegetarischen Ernährung
wurden vegane Snacks gereicht. Der Höhepunkt des Abends war der Film Meat the
Truth. Meat
the Truth ist ein
Dokumentarfilm von Marianne
Thieme (Direktorin der
niederländischen Partei für die Tiere), der eine entscheidende
Ursache für den Klimawandel beleuchtet,
der von Filmen wie Al Gores An
Inconvenient Truth immer
wieder ignoriert wird.
Meat the Truth ist für viele eine unbequeme Wahrheit, auch für Al Gore, denn der
Film belegt, in welchem Ausmaß die landwirtschaftliche
Intensivhaltung unserer Umwelt Schaden zufügt. Er öffnet einem die
Augen, und jeder, der sich für die Umwelt, Tiere oder die eigene
Gesundheit interessiert, sollte sich den Film ansehen.
Am
letzten Abend aßen wir in einem indischen Restaurant namens
Maharadja, das
ich nur weiter empfehlen kann. Das Ambiente und die Ausstattung waren einfach zauberhaft, und die
vielen servierten Gerichte waren unglaublich lecker, voller Geschmack
und Aroma. Es war wohl das beste indische Restaurant, in dem ich
bisher gewesen bin, und ich hoffe, dass eines Tages eine Zweigstelle
in Großbritannien eröffnet wird.
Nachdem
wir Sonntag im Human
Rights Centre gefrühstückt
hatten, verabschiedeten wir uns alle voneinander. Jeder erhielt eine
CD mit Fotos der
EVU
Talks,
die netterweise von den Animal
Friends Croatia zusammengestellt worden war, ebenso wie eine DVD mit allen Videos,
die während der Veranstaltung gezeigt worden waren. Die
Veranstaltung war großartig, und es war toll, Leute aus vielen
verschiedenen Ländern zu treffen, die sich so kompromisslos für die
Sache einsetzen. Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr noch mehr
Leute bei den EVU
Talks sehen.