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Über die Kulturgeschichte des Vegetarismus in Russland ist eine ausgezeichnete Darstellung erschienen:
Peter Brang
Ein unbekanntes Russland.
Kulturgeschichte vegetarischer Lebensweisen von den Anfängen bis
zur Gegenwart.
Köln (u.a.): Böhlau, 2002, 471 S. ISBN 3-412-07902-2
Nach Russland kam der Vegetarismus erst in den 1890er Jahren und
breitete sich dann bis zum ErstenWeltkrieg rasch aus. Entscheidend war
dabei die prägende, hier erstmals systematisch untersuchte Rolle
von Lev Tolstoj, der im Verzicht auf die Tötung von Tieren
für Nahrungszwecke die "erste Stufe" zu einer humaneren Welt sah
und einen vorwiegend ethisch-religiösen Vegetarismus vertrat.
Tolstojs "Lebensreform" führte zur "Tolstojanerbewegung" sowie
dazu, dass sich ungewöhnlich viele russische Schriftsteller und
Künstler mit dem Vegetarismus auseinandersetzten.
Ausführlich ist zudem die Rede von den Vegetariervereinigungen,
den vegetarischen Zeitschriften und Restaurants, den
Schlachthäusern und Kochbüchern, von der Haltung der
russischen Ärzte, der orthodoxen Kirche, der Sekten, der Juden und
der Esperantisten gegenüber dem Vegetarismus.
Nach der Oktoberrevolution wurde der Vegetarismus unterdrückt
und totgeschwiegen - nur in wissenschaftlichen Utopien sowie in der
Science-Fiction durften vegetarische Modelle diskutiert werden.
Mit dieser kulturgeschichtlichen Studie wird völliges Neuland
vertreten.
Eine Besprechung in russischer Sprache finden Sie unter: