European Vegetarian Union

Siebenter Kongress der EVU, Widnau

Wichtiges Vegetarier-Treffen in der Schweiz (18. - 23. Juli 1999)

English - aus EVU News, Ausgabe 2/1999

Heimatliche Klänge aus der Schweiz

Durch die Veröffentlichungen über das Ereignis sind jetzt fast alle Menschen in der Schweiz und selbst in der ganzen Welt darüber informiert, dass der Kongress der EVU in Widnau stattfand. Ein bedauerlicher Vorfall bei der Nahrungsmittelzubereitung war dafür verantwortlich, dass die Nachricht über die Konferenz von den Medien in die ganze Welt hinausgetragen wurde.

Teilnehmer aus 30 Ländern

Etwa 240 Teilnehmer für den Gesamtzeitraum von einer Woche und fast 150 Gäste, die einen oder zwei Tage blieben, waren der Einladung nach Widnau gefolgt. Auch waren die meisten der 34 Sprecher die ganze Zeit über dabei. Mehrere Studenten hatten um die Gewährung einer verbilligten Teilnahmegebühr ersucht und auch erhebliche Ermäßigung erhalten, und deshalb war es eine Freude, eine große Anzahl junger Menschen unter den Teilnehmern zu sehen.

Die deutschsprachigen Gäste waren in der Überzahl, aber überraschend viele waren aus dem Ausland angereist. Jeder Kontinent war vertreten durch Vegetarier aus Kanada, den USA, Venezuela, Süd-Afrika, Australien, Indien, Korea und vielen anderen Ländern. Der nigerianische Botschafter und zwei Begleiter waren aus der Hauptstadt Bern gekommen, um der Vorstellung des Buches von Parkson Edjeketa, einem vegetarischen Missionar aus Nigeria, beizuwohnen. Bedauerlicherweise hatte Parkson kein Visum von der Schweizer Botschaft erhalten und so konnte das Buch der Öffentlichkeit nicht vorgestellt werden. Da dem nigerianischen Botschafter die Veranstaltung gefiel, kam er für insgesamt drei Tage aus Bern. Aus Indien reisten mehrere sehr berühmte Leute im letzten Augenblick an: Neben den Sprechern Jashu Shah, Dr. Bulchand, Dr. Bajaj und Dr. Singh haben uns der ehemalige Präsident der IVU, Surrendra Mehta, Laxmi Modi und andere Freunde mit ihrem Besuch beehrt. Es war uns eine besondere Freude, einige Teilnehmer aus der Türkei, Ungarn und Tschechien begrüßen zu dürfen. In der Zwischenzeit sind mehrere vielversprechende Kontakte im Hinblick auf eine Zusammenarbeit aufgebaut worden. Ein Ergebnis hieraus ist u.a. die geplante Veranstaltung des 8. EVU Kongresses in der Türkei.

Ernst Roegler (Norwegen), Victor Ananias (Türkei)

Dolmetschen im Bus

In Europa wissen wir aus Erfahrung, dass Sprachen von großer Wichtigkeit sind und es nicht immer leicht ist, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein besonderes Dankeschön geht deshalb an die zwei Dolmetscher, Eva Stabenow und Konrad Borst, die ihre Aufgabe in bewundernswerter Weise lösten. Zum ersten Mal wurden die Übersetzungen von zwei kleinen Bussen aus anstelle von Kabinen gemacht.

Unser Dank gilt auch der SAPV, Mitgliedsgesellschaft der EVU, und deren Präsidenten, Karl Richli, der mit einer beträchtlichen Spende dazu beitrug, dass wir ein bisschen ruhiger schlafen konnten, da auf dem Konto des Kongresses zu Beginn kein einziger Pfennig war.

Jahreshauptversammlung der EVU

Die wichtigsten Entscheidungen, die bei der Jahreshauptversammlung getroffen wurden, sind folgende: Igor Bukovsky aus der Slowakei ist der neue Präsident der EVU. Dr. Igor Bukovsky ist Arzt und lehrt an der Universität von Bratislava. Er übernimmt das Amt von Marcel Hebbelinck, der der EVU für eine Übergangszeit von zwei Jahren als Präsident vorstand. Er hat sich für diese Aufgabe sehr engagiert.

Ulla Troeng wurde zum Mitglied des EVU Vorstandes gewählt. Das vegetarische Logo wurde den Medien vorgestellt und kann von nun an zu kommerziellen Zwecken genutzt werden. Der nächste Kongress der EVU wird in der Türkei stattfinden.

Das Programm des Kongresses

Das sehr attraktive und interessante Programm war sicherlich der Grund dafür, dass so viele Teilnehmer gekommen waren. Solch eine wichtige Zusammenkunft qualifizierter Sprecher hat es selten gegeben. Da die meisten der Redner die ganze Woche über blieben, gab es viele Möglichkeiten, mit ihnen in Kontakt zu kommen und sich privat zu unterhalten.

Der Tag, der für sportliche Betätigung vorgesehen war, wurde sehr positiv angenommen. Das Sri Chinmoy Team aus Zürich organisierte einen Friedenslauf über 5 km und eine große Anzahl der Kongressteilnehmer machte mit.

Alle Vorträge waren interessant und hier fanden besonders die sehr attraktive Sherry Schlueter, (Sergeant bei der US-Polizei), der Superathlet Dr. Douglas Graham, beide aus Florida, Dr. Walter Schmidt, Deutschland und Dr. Hans Diehl aus Kalifornien große Beachtung. Die neuen Theorien über Erdbeben, die von Dr. Bajaj und Dr. Singh vorgestellt wurden, regten die Teilnehmer zu Diskussionen an. "ROHKOST" war das Thema mehrerer Vorträge und die Teilnehmer waren eingeladen, sich am Büffet mit einer großen Portion verschiedener Rohkostsalate und Obst selbst zu bedienen.

Susanne Stoll, Lehrerin und Psychologin aus Zürich, berichtete von ihren Erfahrungen mit Ernährung und Psyche, was auf große Aufmerksamkeit stieß, da so viele neue Aspekte erwähnt wurden.

Feier und Ausflüge

Die Eröffnungsfeier war eine Mischung aus volkstümlicher Musik und Willkommensansprachen. Die junge, dynamische Gemeindevorsteherin von Widnau, Dr. Christa Köppel, hielt eine kraftvolle Ansprache, die einem Vegetarier zur Ehre gereicht hätte. Marcel Hebbelinck, scheidender Präsident, und Sigrid De Leo, Sekretärin, begrüßten die Kongressteilnehmer und ebenso die Gäste.

Der Mittwoch war vortragsfreier Tag. Einige der Gäste fuhren ins Tessin, den italienischen Teil der Schweiz. Es liegt südlich der Alpen und hat Mittelmeercharakter. Andere fuhren nach Teufen, wo das Museum von Alfred Vogel besucht wurde, und dann weiter nach Säntis (2500 m). Einige besuchten St. Gallen oder Vaduz in Liechtenstein, während andere sich aufmachten, um den Rheinfall zu sehen, einen der mächtigsten Wasserfälle Europas. Der Gesellschaftsabend wurde wegen des Vorfalls im Speisesaal gestrichen und am letzten Abend gab es dann ein kombiniertes Programm. Ein besonderer Höhepunkt war die Vorstellung der berühmten Sängerin Lily Diehl aus Loma Linda, die wirklich das Publikum mitriss.

Einige wurden ins Krankenhaus eingeliefert

Rohe Bohnen und ihre Werbewirksamkeit

Während bei der Pressekonferenz zu Beginn etwa 15 Vertreter der Schweizer und der internationalen Medien der Einladung gefolgt waren, konnte der Saal kaum die Journalisten aufnehmen, als die zuständigen Fachleute und Veranstalter über den Vorfall in der Küche informieren wollten. Wir wissen, dass die meisten Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender über das Ereignis berichtet haben.

Was war passiert? Da die Betonung so vieler Vorträge auf Rohkost lag, wollte der junge griechische Koch eine reichhaltige Auswahl anbieten und hatte einen Brei aus rohen mexikanischen Bohnen zubereitet. Viele Teilnehmer aßen davon und einige wurden anschließend krank, während andere überhaupt keine Krankheitszeichen zeigten. "Wir sind dankbar für diesen Vorfall", sagte mir ein Schweizer Journalist. "Normalerweise gibt es während der Ferienzeit nichts zu berichten". Die Berichte waren im allgemeinen fair und neutral. Ich hatte den Eindruck, dass viele Reporter ein persönliches Interesse an dem Kongress hatten, da einige den ganzen Tag über blieben, um die Ausstellung und den Vortragssaal zu besuchen. Einige PR-Fachleute sagten mir, dass dies die beste Werbung gewesen sei, die es für den Kongress hatte geben können. Natürlich wurden auch kritische Stimmen laut, die besagten, die vegetarische Idee habe Schaden genommen. Die Zukunft wird es zeigen.

Symptomatisch mag die folgende Aussage einer Journalistin sein: "Ist Ihnen aufgefallen, dass niemand mehr den Vegetarismus in Frage stellt, sondern dass es darum geht, ob wir unsere Nahrung und was wir roh zu uns nehmen sollten?"

Koch, der nicht Vegetarier ist

Der junge griechische Koch Vangelis Chitas wurde mehrere Male spontan gelobt. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass er keine angemessene Küche zur Bereitung der Mahlzeiten zur Verfügung hatte, ist seine Leistung noch höher zu bewerten. Dass ein Koch, der selbst nicht Vegetarier ist, bei einem Kongress die Mahlzeiten zubereitet, ist nichts Neues und es gibt immer Leute, die nicht zufrieden sind. Man kann nur bedauern, dass einige erkrankten. Die Tatsache, dass niemand abreiste oder die Essensmarken zurückgab, war eine Bestätigung für den Kongress und seine Organisation.

Alle diejenigen, die sich krank fühlten, hatten bald keine Beschwerden mehr und selbst diejenigen, die man ins Krankenhaus eingeliefert hatte, kehrten am frühen Morgen zurück, weil sie keinen der Vorträge verpassen wollten. Dr. van der Linde aus St. Gallen: "Gewöhnlich dauert es fünf bis zehn Tage, bis man von einer Nahrungsmittelvergiftung geheilt ist." Ein Journalist fragte sogar, ob alles nur ein Werbegag sei. Da viele von den rohen Bohnen gegessen hatten und sich danach vollkommen gesund fühlten, bleibt die Frage, warum einige erkrankten. Die Abschlussberichte der zuständigen Fachleute werden wahrscheinlich die Antwort aufzeigen.

Alle Teilnehmer bedienten sich weiterhin am Büffet von Vangelis Chitas und er erhielt abermals einen warmherzigen Applaus bei der Abschiedsfeier.

Viele Besucher

Am "Tag nach den Bohnen" kauften weit mehr als erwartet aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angereiste Besucher eine Eintrittskarte. Sie waren auf den Kongress durch die Berichte über den Vorfall aufmerksam gemacht worden. Sowohl der Veranstalter als auch der Koch hatten eine Haftpflichtversicherung bei derselben Gesellschaft abgeschlossen und daher ist es bedeutungslos, wer für all die Rechnungen aufkommen wird. Es ist sichergestellt, dass niemandem finanzielle Nachteile irgendwelcher Art durch den Vorfall entstehen werden.

Widnaus Bürgermeisterin, Dr. Christa Köppel, im Gespräch mit Sigrid De Leo

Ausstellung

Mehr als 30 Aussteller waren in der Ausstellungshalle vertreten und neben den Kongressteilnehmern nutzten erstaunlich viele Leute aus Widnau und Umgebung die Gelegenheit zum Besuch der Stände. Es war vielleicht zum ersten Mal, dass die örtliche Bevölkerung an der Organisation des Kongresses aktiv beteiligt war und als ein erstes Ergebnis hieraus, sieht man ein neues Schild am Restaurant "Sonne" mit dem Hinweis: "Vier schmackhafte Gerichte, auch für Vegetarier". Die Buchhandlung des Ortes hatte ein großes Schaufenster mit Büchern ausschließlich zum Thema "Vegetarismus" dekoriert.

Sigrid De Leo bei der Abschiedsfeier

Zusammenfassung

Mit dem Sportzentrum in Widnau wurde ein Veranstaltungsort gefunden, der für die Durchführung einer Veranstaltung wie den EVU Kongress sehr geeignet ist, wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass keine angemessene Küche zur Verfügung steht. Die Leute sprachen mit Begeisterung davon und schlugen vor, Widnau eines Tages erneut für eine Veranstaltung zu wählen. Von den zuständigen Stellen in Widnau erhielten wir großartige Hilfe und Unterstützung in guten wie in schlechten Zeiten.

Immer noch erreichen uns täglich Briefe, Mails und Telefonanrufe von Teilnehmern, die ihre Dankbarkeit und Zufriedenheit ausdrücken möchten. Für uns Veranstalter, die wir jede freie Minute der vergangenen zwei Jahre der Vorbereitung dieses Großprojekts gewidmet hatten, ist es der Beweis, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Wir sehen uns wieder Toronto 2000 beim Kongress der IVU oder 2001 in der Türkei beim 8. EVU Kongress!

Sigrid De Leo

Translated by Bettina Alexandra Geßlein

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