Hyperaktive Kinder: Wer ist schuld daran?von Gudrun Dalla ViaEnglish - aus EVU News, Ausgabe 2/1999 |
Das Thema ist nicht neu - oder vielleicht wieder. Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern sind oft auf Überreaktionen auf Nahrungsmittel und meistens auf einen Mangel an bestimmten Nährstoffen zurück zu führen. Vor mehr als 20 Jahren veröffentlichten Abram Hoffer und Morton Walker ihr Buch mit dem Titel "Orthomolecular Nutrition" (Keats Publishing Inc., New Canaan), das sich auf zahlreiche klinische Tests stützte, die die Beziehung zwischen Gemütshaltung und Ernährung bewiesen hatten. Viele andere Bücher und Artikel sind seither gedruckt worden (siehe Literaturangaben in den Fußnoten), die auf neue Aspekte desselben Problems hinweisen. Kinder mit Lernbehinderungen und "auffälligem" Verhalten zeigen nach einer Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten häufig wieder normale Verhaltensweisen. Die Entdeckung von Neurotransmittern in Nahrungsmitteln war ein weiterer Schritt zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen unserer Nahrungsaufnahme auf unser Seelenleben. Trotz des beträchtlichen Umfangs von Studienmaterial und Veröffentlichungen auf diesem Gebiet steigt ständig die Anzahl hyperaktiver Kinder, solcher mit Lernbehinderungen und der sozial Unangepassten in derart beschleunigtem Tempo, dass sie ernsthafte Probleme nicht nur innerhalb der Familie sondern auch bei den verantwortlichen Stellen in der Öffentlichkeit verursacht. Könnte es sich um den sogenannten „sugar blues“ handeln?Dem könnte wohl so sein. Hypoglykämie, d.h. erniedrigter Blutzucker, ist selbst bei ganz kleinen Kindern weitverbreitet und bleibt häufig unentdeckt (oder wird nicht diagnostiziert). Ein Kind könnte leichtfertig als lustlos abgestempelt werden, mit mangelndem Interesse an der Schule, leicht abzulenken oder unfähig, sich auf ein Thema zu konzentrieren, wohingegen sein Gehirn aufgrund "unzureichender Versorgung" nicht in der Lage ist, entsprechend zu funktionieren. "Wie kann das sein? Das Gehirn benötigt Zucker und mein Kind nimmt eine Menge davon zu sich", mögen Eltern erwidern. Aber gerade das ist der Punkt. Was unser Gehirn ständig braucht, ist neben Sauerstoff, Glukose und nicht Saccharose. Nach dem Konsum von Nahrungsmitteln oder Getränken, die Industriezucker, d.h. Saccharose in isolierter Form enthalten, steigt der Blutzuckerspiegel innerhalb von Minuten an und die Bauchspeicheldrüse produziert ihrerseits große Mengen an Insulin. Sehr schnell wird das Insulin nicht nur seine Arbeit leisten, sondern mehr tun: Es lässt den Blutzuckerspiegel weit unter normal absinken. Dies löst ein sofortiges Verlangen nach weiteren Süßigkeiten aus ... mehr Limonade... und hieraus erfolgt eine Kettenreaktion. Der häufige Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln oder Getränken kann leicht zu einer fast permanent bestehenden Unterzuckerung führen. Eine langsamere Reaktion wird im Blutzucker durch stärkehaltige Nahrungsmittel ausgelöst, jedoch gibt es auch hier Unterschiede. Es ist weit besser, Vollkorngetreideprodukte zu sich zu nehmen, da diese einen konstanten Spiegel aufrechterhalten, wohingegen Weißbrot, polierter Reis, Teigwaren aus Weißmehl usw. ebenso für übermäßige Schwankungen sorgen, wenn auch nicht in solch extremem Maße wie Zucker. Ein weiteres Problem, das nicht überschätzt werden kann, ist ein Übermaß an Tiereiweiß in den durchschnittlichen Ernährungsgewohnheiten des Amerikaners (SAD / Standard American Diet), die mehr oder weniger den Ernährungsgewohnheiten in allen Industrieländern gleichen. Studien, die u.a. in einer Anstalt für kriminelle Jugendliche unter 18 Jahren durchgeführt wurden, haben eine direkte Beziehung zwischen übermäßigem Proteinkonsum, besonders tierischer Herkunft und bei Kombination mit zucker- und weißmehlhaltigen Produkten, mit der Aggressionsbereitschaft aufgezeigt. In jedem Falle kann eine übermäßige Versorgung mit Proteinen - besonders tierischer Herkunft - die Ursache für eine Anzahl gesundheitlicher Störungen wie z. B. Nierenleiden sein, die eventuell erst viel später entdeckt werden, wenn es bereits zu irreversiblen Organschäden gekommen ist. Allergien und UnverträglichkeitenDies ist ein weiteres Thema, das von den Ärzten häufig ignoriert wird. „Echte“ Nahrungsmittelallergien können leicht aufgedeckt werden: ein Hautausschlag nach dem Genuss von Erdbeeren ist eine klassische Reaktion, die jeder ohne Schwierigkeit auf eine Allergie zurückführen würde und in speziellen Bluttests können die zur Abwehr produzierten Antikörper nachgewiesen werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind weit irreführender. Sie können zu einer Vielzahl von Symptomen führen, von denen man gewöhnlich nicht vermutet, dass Nahrungsmittel für sie ursächlich sind. Zum Ausbruch dieser Symptome kann es bis zu 30 Stunden oder mehr nach Aufnahme des fraglichen Nahrungsmittels kommen. In Fällen von Hyperaktivität und mangelnder ausdauernder Konzentration sollte man die Möglichkeit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit in Erwägung ziehen. Nach Aussagen von Experten leidet mindestens jedes zweite amerikanische Schulkind an einer Unverträglichkeit gegenüber einem oder mehreren Nahrungsmittel-bestandteilen. In Blutuntersuchungen, die zur Diagnose von Allergien eingesetzt werden, wird dieses Problem nicht offenbar. Hierzu sind spezielle Testverfahren erforderlich, jedoch verfügen die meisten Städte über spezielle medizinische Einrichtungen zur Diagnose. Ein Symptom, das man bei den meisten Kindern mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit beobachten kann, ist ein extrem suchtartiges Verlangen nach einem bestimmten Nahrungsmittel oder Getränk. Ein Kind, bei dem eine Intoleranz wahrscheinlich ist, wird leicht gereizt oder ungeduldig, wenn es dieses nicht haben kann. Das Festhalten an dem "Suchteffekt" ist das Phänomen der "Entzugserscheinung"! Es gibt verschiedene Dinge, die Eltern tun können:
Nährstoffmangel?Erstaunlich genug ist, dass Kinder (und natürlich ebenso Erwachsene) in Industrieländern über- und gleichzeitig mangelernährt sind! Die meisten industriell erzeugten Nahrungsmittel haben unterschiedliche Verarbeitungsprozesse in einem Maße durchlaufen, dass der größte Teil der Mikronährstoffe wie z. B. Vitamine und Mineralien eliminiert worden ist. Nahrungsergänzung kann in Notfällen eine Lösung sein, sollte jedoch nicht ohne die Verschreibung eines Arztes - möglicherweise nach Einsatz bestimmter Testverfahren (z. B. Haartest) - durchgeführt werden. Normalerweise sollten alle Nährstoffe durch eine gesunde Kost zur Verfügung stehen! Je weniger verarbeitet und je natürlicher und frischer ein Rohstoff ist, umso gesünder. Mögen Kinder gesunde Nahrungsmittel? Angesichts der Tatsache, dass das Fernsehen und andere Medien mit ständiger Werbung die Kinder mit Snacks zu locken versuchen, erscheint es eine unmögliche Aufgabe zu sein, sie zu überzeugen. Gewöhnlich sind Eltern jedoch über die Intelligenz ihrer Sprösslinge überrascht, wenn es um praktische Probleme geht. Ein paar Strategien, die Sie anwenden könnten:
Verzichten Sie auf jeden Fall darauf, Moralpredigten zu halten. Der Muskeltest mag Kinder überzeugen, die sportlich interessiert sind. Wenn ein gesundes Essen darüber entscheiden kann, ob man gewinnt oder verliert, mögen sie gewillt sein, es zu probieren. In dem Versuch, "Schönheitsfehler" zu umgehen, kann es sein, dass Mädchen vor einer Party eine "Diät" (natürlich mit gesunden Nahrungsmitteln) einlegen. Englischsprachige Literatur:
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