European Vegetarian Union

Ein Interview mit Juliet Gellately

English - aus EVU News, Ausgaben 4/1998 und 1/1999

von Mark Berrimann

Juliet Gellatley ist Gründerin von Viva!, einer britischen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, - insbesondere in Schulen - die Themen Vegetarismus, Gesundheits- und Umweltbewusstsein sowie das Wohl der Tiere zu fördern. Juliet ist die Autorin von "The Silent Ark" ("Die stille Arche"), eine brilliante Abrechnung mit der Fleischindustrie, die an die Seele geht. Erst kürzlich hat Viva! ein Video produziert mit dem Titel "Food for Life" (Nahrung für das Leben).

Juliet, wie bist du zur vegetarischen Bewegung gekommen?

Ich wurde Vegetarierin, als ich ungefähr 15 Jahre alt war. Ein Student der Landwirtschaft nahm mich mit auf einen Modellbauernhof, der nach dem Muster der intensiven Landwirtschaft betrieben wurde. Zu diesem gehörten Rinderherden, die niemals in ihrem Leben Gras sehen würden und Kälber, die von den Muttertieren getrennt und in Einzelboxen gehalten wurden, eine Schweinemasteinheit sowie eine Legehennenbatterie. Das gesamte Projekt zielte darauf ab, die Ideologie der Intensivlandwirtschaft zu fördern. Es war die Schweinemasteinheit, die mich am meisten deprimierte, denn ich blickte auf Hunderte von Schweinen, die aufgereiht in diesem grauen Betongebäude standen. Ich hatte keine Ahnung, dass Tiere auf diese Weise aufgezogen wurden. Besonders berührte mich ein großer Eber, der in einer gesonderten Box gehalten wurde. Sein Hinterbein war nicht in Ordnung und er befand sich in einem bedauernswerten Zustand, aber er schleppte sich bis zum Ende der Box und schaute mir geradewegs in die Augen. Ich blickte zurück in seine und das war es! Dies war einer der unvergesslichsten Eindrücke in meinem ganzen Leben. Ich sagte immer wieder zu ihm: "Es tut mir so Leid, es tut mir so Leid im Namen der gesamten Menschheit, was wir dir angetan haben." Ich lief nach Hause und fragte meine Mutter, warum sie mir niemals gesagt hatte, dass so unser Fleisch erzeugt würde. Sie versuchte mich davon abzuhalten, Vegetarierin zu werden, aber nach ca. drei Monaten gab sie auf und unterstützte mich. Schon in jungen Jahren war mir bewusst, dass ich etwas in meinem Leben tun wollte, um Tieren zu helfen. Der nächste Schritt war mein Studium der Zoologie, das ich sowohl aus Faszination als auch Respekt vor dem Tierreich betrieb, aber immer noch wusste ich nicht genau, wie ich den Tieren würde helfen. Nachdem ich die Universität beendet hatte, arbeitete ich für eine Publikation namens "Media Week" (Medienwoche) für ungefähr ein halbes Jahr, aber im Hinterkopf hatte ich das Gefühl, dass meine Aufgabe im Bereich des Tierschutzes lag. Schließlich hatte ich ein Interview bei der Nationalen Gesellschaft gegen die Vivisektion ("National Anti-Vivisection Society") bezüglich einer Tätigkeit als Herausgeberin ihres Magazins. Ich hatte in der Veröffentlichung von Printmedien keinerlei Erfahrung! So besuchte ich mit einem Bekannten einen Crash-Kurs in Öffentlichkeitsarbeit und versuchte mich während des Gesprächs herauszureden, aber sie durchschauten mich. Glücklicherweise boten sie mir statt dessen eine Arbeit in der Forschung an. Dort war ich ein Jahr lang beschäftigt, bevor ich der Vegetarischen Gesellschaft als Mitarbeiterin im Bereich Jugendkampagnen beitrat.

Was ist deiner Meinung nach die wirksamste Methode, der allgemeinen Öffentlichkeit den vegetarischen Gedanken zu vermitteln?

Jeder Mensch ist verschieden und ich denke, das musst du berücksichtigen. So gibt es keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Bei Viva! ist es so, dass wir die Botschaft auf unterschiedliches Publikum abstimmen. Das Material, das wir für junge Menschen produzieren, unterscheidet sich von demjenigen, das wir für Leute mittleren Alters machen, die sich um Herz- und Krebserkrankungen sorgen. Wir führen viele Gespräche an Schulen. Wir haben jetzt mehr als einhundert ausgebildete Sprecher. Leider haben jedoch Schulkinder die Tendenz abzuschalten, wenn wir gesundheitliche Themen ansprechen. Sie scheinen uninteressiert zu sein, es sei denn, man erwähnt diese Thematik im Zusammenhang mit sportlicher Ausbildung, so dass man auf diese Art ihre Aufmerksamkeit gewinnen kann. Allgemein ist zu beobachten, dass sie sich für Tiere interessieren und den Gedanken der Grausamkeit nicht ertragen können. Sie sind sehr schnell dazu bereit, zum Vegetarismus überzugehen und sehen dies als eine positive Antwort. Die Gespräche an Schulen sind eines der wertvollsten Dinge, die wir tun. Wir können ihnen ein Video zeigen, das auf alle gesundheitlichen Aspekte eingeht, aber besonders still werden sie, wenn über kommerzielle landwirtschaftliche Betriebe und die Schlachtung von Tieren sowie über Genmanipulation berichtet wird - und dies sind offensichtlich die Bereiche, in denen die Botschaft herüberkommt.

Juliet Gellately - Gründerin von VIVA

So findest du es also schwierig, den gesundheitlichen Aspekt den jungen Menschen nahe zu bringen?

Unsererseits haben wir den großen Vorteil, dass man bei einem Besuch in einer Klasse ihre Aufmerksamkeit gewinnen kann, und dann darauf hinweisen, dass es zudem eine gesündere Ernährungsweise ist. Man kann ansprechen, dass ihre Eltern möglicherweise anderer Meinung sind, dass sie jedoch aus den Diskussionen als Sieger hervorgehen, wenn sie den gesundheitlichen Aspekt berücksichtigen. Was persönliche Gründe angeht, so möchten alle jungen Leute die Welt retten. Was wir tun, ist lediglich uns diesen Enthusiasmus nutzbar zu machen. Bei Erwachsenen sind manchmal Schocktaktiken erfolgreich, für andere jedoch ist es ein Entwicklungs-prozess über eine Zeit hinweg. Die BSE-Vorfälle (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) waren ein klassisches Beispiel. Wir stellten Verbindungen zu mehreren gesundheitlichen Themen her, wobei wir darauf hinwiesen, wie die Fleischindustrie während der gesamten Kampagne gelogen hatte. Unsere Botschaft war: "Halte einen Moment inne! Wenn hierüber Lügen verbreitet und Rindfleisch in der Werbung als vollkommen sicheres Nahrungsmittel dargestellt wird und du weißt, das stimmt nicht, dann denk’ über die anderen Dinge nach, die sie uns erzählen, z. B. dass Rindfleisch weder Herzerkrankungen noch Krebs verursacht."

Was gab für dich den Anlass Viva! ins Leben zu rufen?

Ich traf die Entscheidung, eine Organisation zu gründen, die sich vollständig mit der Durchführung von Kampagnen befasste. Ich arbeitete mehrere Jahre für die Vegetarische Gesellschaft und wurde schließlich ihr Direktor. Meinem Empfinden nach wandte sie sich als Gesellschaft mehr den Bereichen Ernährung und Gesundheit zu, was einerseits gut ist, da es den Menschen zur Umorientierung hilft; ich hatte jedoch das leidenschaftliche Bedürfnis, für alle Themen in gleichem Maße einzutreten, also für das Wohl der Tiere, die Gesundheit und die Umwelt. Tatsächlich gefällt es mir, mit meiner Botschaft diejenigen zu konfrontieren, die (noch) nicht umgestiegen sind. Ich möchte die Fleischesser erreichen. Deshalb habe ich Viva! gegründet.

Hattest du irgendwelche Schwierigkeiten, Zugang zu Schulen zu bekommen, um die Botschaft zu vermitteln?

Als wir zum ersten Mal Viva! 1994 ins Leben riefen, kam eine Firma auf mich zu, die eine Dokumentation produzierte, die zur Porno-Zeit laufen sollte. Sie wollten einen Film über Viva! und unsere Arbeit machen. Später fand ich heraus, dass es im Hintergrund Pläne gab, unsere Arbeit an Schulen zu stoppen. Bis heute glauben wir, dass die Fleischindustrie hinter dieser Dokumentation stand, da sie sich zu dieser Zeit als Sponsor für so vieles in den Medien betätigte. Die nationalen Zeitungen gaben dies zu. Sie brachten diese fürchterliche Geschichte über Viva!, in der wir als große Propaganda-Organisation dargestellt wurden, die die Jugend verdirbt. Sie hat viel Unheil verursacht und danach neigten wir dazu, in den Medien überhaupt nicht mehr über unsere Arbeit an Schulen zu berichten. Um jedoch auf deine Frage zurück zu kommen: Ja, heute, wo die Eltern großen Einfluss haben und die Schulen wahnsinnige Angst, dass von dieser Seite Beschwerden kommen, gibt es Schwierigkeiten mit Schulen. Sie denken, dass sich die Eltern beschweren könnten, wenn ein Kind sich für den Vegetarismus entscheidet. Selbst wenn du dich lediglich zu den Themen Gesundheit und Ernährung äußerst und dabei Tiere und Umwelt nicht erwähnst, befürchten sie immer noch, dass ein Kind zum Vegetarier werden könnte.

Wir leben in einer verrückten Gesellschaft, in der die Menschen solche blödsinnigen Ängste haben! Jetzt jedoch, wo der Vegetarismus Teil des Lehrplanes im Ernährungsbereich geworden ist, haben sie Viva! akzeptiert. Wir konnten dies nur dadurch erreichen, dass wir Sprecher in die Schulen schickten, um die Lehrer zu überzeugen, dass wir weder Radikale noch Extremisten sind, sondern einen vernünftigen Vortrag halten, der den Lehrplan unterstützt. Den Lehrern gefällt, was wir tun. Sie mögen das Video, von dem wir Hunderte von Kopien an Schulen verkauft haben. Aus diesen Gründen erhalten wir in zunehmendem Maße Einladungen von Schulen.

Wie reagieren junge Menschen auf die Idee des Vegetarismus? Sehen sie den Zusammenhang zwischen Gesundheit, Umwelt und dem Wohl der Tiere?

Jugendliche sind im allgemeinen großartig. Der einzige Grund, warum sie Fleisch essen, ist, dass man es ihnen seit ihrer frühesten Kindheit vorsetzte. Wenn du jedoch ein jugendliches Publikum erreichen kannst, werden die meisten von ihnen zustimmen, dass der Vegetarismus ein vom Mitgefühl geprägter Lebensstil ist und besser für die Erde, die Tiere und ihre Gesundheit. Was Jugendliche zu einem Wechsel veranlasst, ist die Tierproblematik, weil sie nicht versuchen, die ganze Grausamkeit zu entschuldigen. Sie betrachten es nicht aus wirtschaftlicher Sicht. Das Problem stellt sich ihnen schwarz-weiß dar. Sie sind sehr ehrlich mit dir und stellen ernsthafte Fragen. Am Ende eines Vortrages kannst du sie fragen, ob einer von ihnen in Erwägung zieht, Vegetarier/in zu werden, und die Anzahl der Antworten beträgt überall zwischen 60 und 100 %. Ob sie nun Vegetarier werden oder nicht; du hast die Saat ausgestreut und sie werden die Welt niemals im selben Licht sehen wie zuvor. Jedes Mal, wenn sie von kommerzieller Tierhaltung hören, werden sie die Ohren spitzen und sagen: "Oh ja, ich habe davon gehört".

Du hast erfolgreich eine Kampagne durchgeführt mit dem Ziel, exotisches Fleisch u.a. von australischen Wildtieren wie Känguru und Emu aus britischen Supermärkten zu verbannen. Kannst du uns von dieser Aktion berichten?

Es ist gerade etwas mehr als ein Jahr her, dass wir mit der Kampagne gegen exotisches Fleisch begannen. Wir fingen mit Straußenfleisch an, weil in ganz Großbritannien plötzlich Straußenfarmen entstanden und man versuchte, ein Tier zu züchten, das vollkommen unangepasst an das britische Klima war. Ein paar Wochen nachdem wir erfolgreich diese Kampagne betrieben, sah man plötzlich Kängurufleisch in den Regalen. Das australische Hochkommissariat (Australian High Commission) förderte den Verkauf von Kängurufleisch mit großem Aufwand, indem es den Verbrauchern vermittelte, dies sei der neue Trend im Fleischkonsum und dass man nun kein Rind mehr essen müsse. Die britische Bevölkerung nahm dies ganz und gar nicht positiv auf. Die allergrößte Mehrheit ist gegen die Tötung wildlebender Tiere zur Fleischproduktion. Es gibt jetzt schon mehr als genug Fleisch. Wir machten uns diese Gefühle der Öffentlichkeit zunutze, indem wir unsere 480 örtlichen Jugendgruppen landesweit einsetzten. Wir brachten sie dazu, vor den Supermärkten von Tesco’s, einer der größten britischen Supermarktketten, Transparente hochzuhalten. Tesco’s hat eine Treuekarte, die wir vergrößerten und auf der die Tötung von Kängurus abgebildet war. Dadurch standen wir schnell im Licht der Öffentlichkeit und den Medien gefiel das. Als die Gruppen eine Umfrage machten, ob den Leuten klar sei, dass man bei Tesco’s Kängurufleisch kaufen könne, zeigten sie sich angeekelt. Neun von zehn Befragten unterstützten diese Kampagne. Am Ende schrieben Zehntausende an Tesco’s und beschwerten sich. Die Kampagne produzierte eine doppelseitige Enthüllung in "News of the World", der Zeitung mit dem größten Absatz in Großbritannien. Vier Tage später zog Tesco’s sein Kängurufleisch aus dem Handel zurück.

Erstaunlicherweise zog sich nur ein paar Wochen später aufgrund der negativen Reaktion in der Öffentlichkeit, Somerfield’s plötzlich aus dem Geschäft mit Krokodil-, Känguru- und Straußenfleisch zurück, das man in 590 Läden eingeführt hatte. Bis Ende 1997 wurde uns deutlich, dass wir einen großen Sieg für die Tiere errungen hatten. Grundsätzlich wird in der britischen Öffentlichkeit das Töten von Kängurus genauso betrachtet wie die Tötung kanadischer Robbenbabys. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass sie ebenfalls für die Industrie getötet werden.

Das Argument ist, dass es ökologisch betrachtet besser ist, ein heimisches Tier zu züchten als ein eingeführtes Nutztier. Ich denke, dieses Argument ist nicht tragfähig. Ich sehe keine Möglichkeit, dass Rinder- und Schafzüchter gewillt wären, ausschließlich Kängurus zu züchten. Sie möchten einfach Kängurus zusätzlich züchten. Das Känguru ist in seinem Wert in Australien inzwischen so gefallen, dass es als Plage angesehen wird. Es wird damit argumentiert, dass die Tiere mit dem vorhandenen Viehbestand um das Futter konkurrieren; eine bedeutende Studie ist jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sich von ganz anderer Vegetation ernähren. Es sind nicht die Kängurus, die die Umwelt zerstören, sondern die Schafe und Rinderherden.

Es wird versucht, Känguru als ein gesundes Nahrungsmittel zu propagieren, obwohl man sich gleichzeitig bewusst ist, dass Würmer in Kängurufleisch ein Problem darstellen können.

Nach den Worten eines Pathologen, der sich mit Wildtieren beschäftigt, findet man etwa 30 000 Fadenwürmer in einem einzigen Grau-Känguru. Es gibt darüber hinaus auch ein Problem mit den kürzlich im Mikroskop entdeckten Würmern. Kängurus sind der Wirt einer ganzen Reihe von Parasiten, mit denen man nicht vertraut ist, da es sich nicht um Tiere landwirtschaftlicher Aufzucht handelt. Das Fleisch ist nur dann genießbar, wenn es ausreichend gekocht wird.

Hast du während deines Besuches in Australien Unterstützung für deine Kampagne erhalten oder findest du, dass wir träge sind, wenn es um die Ausbeutung unserer heimischen Fauna geht?

Ich bin erstaunt, dass die Resonanz der Menschen nicht größer ist, wenn es um die Rettung der heimischen Fauna geht. Die Gefahr ist, dass durch die Kommerziali-sierung der wildlebenden Tiere, der eigentliche Wert der Tiere nicht mehr gesehen sondern sie lediglich noch als profitable Handelsware betrachtet werden. Wir konnten das bei Elefanten in Afrika beobachten, wo Jäger behaupteten, ein maßgebliches Interesse an der Rettung der Tiere zu haben. In Wahrheit ist der Bestand an Elefanten so gering, dass sie fast ausgestorben sind. Die Tötung von Kängurus wird nicht angemessen überwacht, ungeachtet der Tatsache, dass die Behörden behaupten, das entsprechende Gesetz ("Code of Practice") biete ausreichenden Schutz.

Wie siehst du die Veränderung der vegetarischen Bewegung in der Europäischen Union, besonders die Nachwirkungen des BSE-Skandals?

Zuallererst hat offensichtlich der BSE-Skandal eine Menge Veränderungen in den Gedanken und Einstellungen der Menschen bewirkt. Für mich hat alles mit Einstellung zu tun. Wenn du deine Haltung ändern kannst, so kannst du die Welt verändern. Die Furcht vor BSE hat das Image von Rindfleisch verändert, vom gesunden Nahrungsmittel für den Sonntagsbraten wurde es zu etwas Schmutzigem, das einem den Tod bringen könnte. Hierdurch wurde bessere Arbeit geleistet als sie die vegetarische Bewegung je hätte tun können! Das eigene Image der Fleischindustrie zeigte die größten Auswirkungen, da sie die ganze Zeit über an der Behauptung festhielt, Fleischessen sei sicher, auch wenn bekannt war, dass dies nicht stimmte. Ihr Image ging immer mehr zugrunde, weil man herausfand, dass die Industrie die Öffentlichkeit anlog. Als Nebenerscheinung ergab sich daraus, dass wir Leute dazu bringen konnten, sich einzulassen und unserer Botschaft bezüglich ihrer Gesundheit mehr Gehör zu schenken. Jetzt sind die Menschen viel stärker dazu bereit, uns zuzuhören.

Denkst du, dass der gesunde Menschenverstand und die Wahrheit letztlich siegen werden oder werden überall die verantwortlichen Politiker weiterhin Menschen betrügen, wenn es zu einer ent-scheidenden Kraftprobe zwischen Wirtschaft und Gesundheit der Öffentlichkeit kommt?

Wenn das politische System so bleibt, wie es momentan ist, werden Regierungen immer lügen, um die Wirtschaft zu schützen. Einer der Gründe hierfür ist, dass es wirklich multinationale Konzerne sind, die die Welt regieren. Sie haben riesigen Einfluss auf die Regierungen und sind grundsätzlich an kurzfristigen Profiten interessiert. Jegliche anderen Belange werden ignoriert. In Großbritannien sind die Fleisch- und die Pharmaindustrie am mächtigsten und die Pharmaindustrie liefert zudem 40% ihrer Produkte an die Fleischindustrie. Es ist alles sehr verwickelt. Das ist die Art von Druck, gegen den du aufbegehren musst. Viva! ist noch eine junge Organisation, sie besteht erst seit 3 ½ Jahren und wir begannen buchstäblich mit nichts. Was wir auf unserer Seite haben, ist die Wahrheit. Alles, was man tun kann, ist mit zunehmender Lautstärke auf die Pauke zu hauen und zu hoffen, dass eines Tages die Leute die Lügen und die Propaganda, die die Fleisch- und Pharma-industrie verbreiten, durchschauen. Und das beginnt bereits zu geschehen.

Welchen Gewinn erhoffst du dir aus deiner Australienreise?

Für uns war in Bezug auf die ganze Kampagne mit dem exotischen Fleisch die internationale Zusammenarbeit großartig, da es die australischen Organisationen waren, die die Informationen zur Verfügung stellten, die es uns wiederum ermöglichten, die Kampagne durchzuführen. Berücksichtigt man die Entfernung zwischen Großbritannien und Australien, so war dies eine Angelegenheit monumentaler Bemühungen. Viele Kampagnen sind sehr ähnlich, unabhängig von dem Land, in dem sie durchgeführt werden. Indem wir Ressourcen gemeinsam nutzen, halten wir die Kosten niedrig.

Die meisten dieser Themen haben jetzt ohnehin globales Ausmaß erlangt und sind nicht auf ein einziges Land beschränkt. Nimm zum Beispiel die Produzenten von Kängurufleisch. Wenn die Australier zögern, es zu essen (was sie tun), dann versuchen sie, es anderen Märkten anzudrehen, wie z. B. Asien oder Europa. Auch dann also, wenn du eine Kampagne in deinem eigenen Land nicht erfolgreich durchführen kannst, kannst du die Zusammenarbeit mit anderen Ländern gewinnen, die sie in deinem Namen durchführen, soweit es um Importgeschäfte geht. Eine der schönen Dinge an meiner Reise war die Begegnung mit Menschen, mit welchen ich lange Zeit in schriftlichem Kontakt gestanden hatte. Jetzt bin ich in der Lage, Gesichter mit den Namen auf Faxnachrichten und E-mails in Verbindung zu bringen! Dies wird unsere Beziehungen in großem Maße stärken.

Dieses Interview wurde zunächst im Winter 1998 in der Zeitschrift "New Vegetarian and Natural Health", dem australischen Magazin für ganzheitliche, natürliche Gesundheit und vegetarischen Lebensstil, veröffentlicht.

Translated by Bettina Alexandra Geßlein

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