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Gentechnologie
Zusammenfassung: Zudem führt die medizinische Forschung mit den transgenen Tieren eine wissenschaftlich und ethisch-moralisch äusserst kontroverse Methodik ein. Die Technikfolgenabschätzung ist erst in den Anfängen, und eine Risikoabwägung ist bis zum heutigen Zeitpunkt nahezu unmöglich. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist für viele Bereiche der Gentechnologie aus verständlichen Gründen nicht vorhanden. In dieser Arbeit werden die ökologischen, gesundheitlichen, ökonomischen, sozio-politischen und ethischen Implikationen der Gentechnologie kritisch hinterfragt. Grenzen und Gefahren werden aufgegriffen. Wir meinen, dass die Gesellschaft der Wirtschaft und der Wissenschaft ganz klare Grenzen bei der Anwendung der Gentechnologie setzen muss und fordern deswegen den kritischen öffentlichen Diskurs mit Einbezug sämtlicher Interessengruppen.
Einführung: Die phylosophisch-wissenschaftliche Grundhaltung dafür liegt in der reduktionistisch-mechanistischen Denkweise des Philosophen Descartes und des Physikers Newton, welche postulieren, dass in jedem komplexen System das Verhalten des Ganzen anhand der Eigenschaften der Teile analysiert werden kann. Man studiert Krankheiten auf der Basis der eindirektionalen Gen-Phänotyp-Beziehung und sieht das Lebewesen hauptsächlich als Expressionsprodukt seiner Gene. Gemäss ökologischer Denkrichtung lassen sich die Eigenschaften der Teile nur im Kontext des grösseren Ganzen, der gegenseitigen Wechselwirkungen und Vernetzung mit der Umwelt verstehen. Die Phänotypisierung geschieht so unter epigenetischer Kontrolle (3). Der wissenschaftliche Ansatz ist weniger analytisch, dafür um so mehr ein kontextbezogenes Denken, ein Systemdenken, was auch Umweltdenken ist (4). Es gründet auf einem tiefen ökologischen Bewusstsein und sieht den Menschen als einen Faden im Netz des Lebens in wechselseitiger Beziehung mit der Natur und nicht ausserhalb oder über ihr. Dem neuen Paradigma liegt eine neue Wertstruktur zugrunde, indem es jedem Lebewesen einen innewohnenden Wert und Selbstzweck anerkennt; es lehnt die anthropozentrische Weltsicht ab (5).Wir sehen uns mit gegensätzlichen Ansichten der Lebensphänomene, der Wertung der Mitwelt und der Beurteilung der Stellung des Menschen konfrontiert. Dementsprechend fällt auch die Kritik und Beurteilung der Gentechnologie und ihren Auswirkungen, ganz entsprechend dem Blickwinkel, unterschiedlich aus. Was für die einen die Verheissung der Zukunft und unersetzlicher Alltag in der Medizin und Forschung ist, bedeutet für die anderen, in bestimmten Anwendungsbereichen, eine unkalkulierbare Bedrohung und Missachtung der Lebenswelt. Wir Aerztinnen und Aerzte für Umweltschutz halten die Gentechnologie für ein potentiell gefährliches Instrument, wenn nicht die Einwirkebene ganz klar definiert und eingeschränkt wird. Wir sind der Meinung, dass wegen des hohen Gefährdungspotentials und der besonderen Tragweite einer unkontrollierten und kontrollierten Anwendung, die Entscheidungen ausserhalb von Fachgremien und direkt beteiligten Interessengruppen gemacht werden müssen und streben deshalb den öffentlichen Diskurs an. Bei der Diskussion zur Applikation der Gentechnologie, ist es unbedingt erforderlich, den Human- vom Ausserhumanbereich zu trennen, zumal in den verschiedenen Gebieten verschiedene Ziele anvisiert werden und den Genmanipulationen teils andere Interessen und Gefahrenpotentiale zugrunde liegen. Im Ausserhumanbereich stellen sich Fragen im Gebiet der Oekologie, der Beeinflussung der Gesundheit von Mensch und Tier, der Sozio-Oekonomie und der Ethik. Er überlappt mit dem Humanbereich bei der Herstellung und Nutzung von transgenen Tieren in der medizinischen Forschung, in der Pharmaproduktion und in der Produktion von Organen für die Xenotransplantation. Dies impliziert, dass heute die Wissenschaftler auch wissenschaftstheoretische Fragen nach dem Einfluss der Gentechnologie und deren Resultate auf die Gesellschaft und Mitwelt stellen und lange bestehende Tabus überwinden müssen. Die sogenannt " wertfreie Forschung " muss als Selbsttäuschung hinterfragt werden und bioethische Ueberlegungen sollten schon in die Grundlagenforschung einfliessen. Der Einbezug der Nachhaltigkeit, d.h. der Schutz der genetischen Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten und die Gefahrenpotentiale in der Anwendung der Gentechnologie dürfen nicht wegen kurzfristiger ökonomischer Vorteilen vernachlässigt werden. Die Aerzte und Aerztinnen für Umweltschutz sehen in folgenden Punkten ungelöste Probleme.
Oekologie (11):
Mit der Genmanipulation und ihren Expressionsprodukten werden Substanzen in Nutzpflanzen und Nutztiere eingeführt, welche bis anhin in diesen Organismen nicht auftraten. Viele dadurch bedingte Gefahrenquellen lassen sich theoretisch definieren, jedoch das Ausmass einer möglichen Schädigung kaum kalkulieren. Besonders unsicher ist die Abschätzung des Schadens bei Langzeitkonsum dieser Produkte. Bei den Substanzen handelt es sich um neue Proteine (Expressionsprodukte) viraler, bakterieller, pflanzlicher oder tierischer Herkunft. Ein Gefährdungspotential liegt unter anderen in der Tatsache, dass diese Proteine in der Regel nicht dem natürlichen Ausgangsmolekül entsprechen, weil Unterschiede in der Aminosäuresequenz vorkommen. In der Literatur werden Fehlerraten im Ablesungsvorgang der RNS zum Eiweiss bis zu 20% beschrieben (17). Es besteht auch die Möglichkeit der Resorption von gentechnisch produzierten Proteinhormonen und Wachstumsfaktoren durch den Gastrointestinaltrakt (18). Gene können sich in unterschiedlichem Kontext verschieden verhalten. So kann sich ein Rinder-Gen, gemäss Hinweisen, in einem Apfel-Genom neuartig ausprägen (19). Es ensteht ein hohes Potential an neuen Allergenen, welches gemäss FDA, mangels existierender Methoden, nicht vorausgesagt werden kann (20). So haben Sojapflanzen mit eingebautem Paranuss-Gen bei sensibilisierten Personen schwere allergische Reaktionen ausgelöst (21), obwohl sich das verantwortliche Eiweiss "2S-Albumin" im Tierversuch als harmlos erwiesen hat. Es bestehen riesige Lücken in der Allergieforschung (22) und wie das 2S-Albumin der Paranuss zeigt, sind Tiermodelle dafür ungeeignet. Dazu kommt, dass ähnliche Eiweisse nicht immer ähnlich allergen sind. Das Eiweiss Tropomyosin der Krevetten ist z.B. ein starkes Allergen, die sehr ähnlichen Tropomyosine in Huhn- oder Rindfleisch hingegen nicht (23). Das Risiko unerwarteter Allergien ist bei Einsatz der Gentechnologie grösser als in der klassischen Züchtung, weil in der Gentechnik nicht nur artverwandte Pflanzen, sondern die Gesamtheit aller Pflanzen, Tieren und vieler Mikroorganismen als Genquelle zur Verfügung stehen (24). Antibiotikaresistenzgene werden als Erkennungsgene an das interessierte Gen gekoppelt, um die Identifikation der erfolgreich behandelten Zellen zu ermöglichen. Die Expressionsprodukte der aktiven Antibiotika-Resistenzgene, welche mit dem entsprechenden Nahrungsmittel in den Darmtrackt gelangen, können ein therapeutisch zugeführtes Antibiotikum deaktivieren. Durch horizontalen Gentransfer besteht die Möglichkeit der Uebertragung dieser Gene auf die im Darmtrackt vorkommenden pathogenen Keime, welche die entsprechende Resistenz übernehmen und eine Therapie erschweren und das Problem der Resistenzentwicklung noch verschärfen (25). Dies scheint am grössten bei Mikroorganismen zu sein, die ihre neuen genetischen Eigenschaften auf Plasmiden tragen, welche den tierischen und pflanzlichen Ausgangsstoffen zur Weiterverarbeitung zugesetzt werden (Joghurt, Käse, Salami, Sauerkraut etc) (26). Die Produzenten haben bis heute keinen gültigen wissenschaftlichen Beweis, dass diese Probleme beherrscht werden könnten. Die Abbauprodukte der Herbizide in den transgenen Pflanzen haben ein schwer kalkulierbares toxisches, kanzerogenes und mutagenes Potential und über die Gesundheitsfolgen der Expressionsprodukte der Toxin-Genen in Nahrungspflanzen ist in der Literatur nichts schlüssiges zu finden (26). In vitro wurde eine Schädigung der Erythrocyten durch das Bacillus thuringiensis-Toxin nachgewiesen (27). Beim unvermeidbar unpräzisen Einbau von Fremdgenen ins Genom von Nahrungsmitteln, muss auch mit Positionseffekten gerechnet werden (11). Die finale Wirkung des Fremdgens wird durch den räumlichen Kontext im Empfängergenom bestimmt, welches eine Risikoeinschätzung erschwert oder gar verunmöglicht. In mehreren Versuchen werden solche Effekte beschrieben (28,29,30). Neue abweichende Stoffwechselwege, mit unbestimmtem Effekt, können induziert werden. Mehrere Beispiele werden in der Literatur beschrieben: Gentechnisch hergestelltes L-Tryptophan führte zu schwerwiegenden Gesundheitsstörungen (Eosinophilie-Myalgie-Syndrom) mit Todesfolgen. (31,32). Es ist jedoch trotz intensiver Forschung noch nicht klar, ob sie ein Effekt der Genmanipulation oder Resultat des Reinigungsverfahrens sind. Das Breitbandherbizid Glyphosat, welches für Bohnen verwendet wurde, verursachte eine unerwünschte Oestrogenwirkung bei Mäusen (33).
Oekonomie: Von den acht Millionen in den USA neugeschaffenen Arbeitsstellen der letzten vier Jahre fallen nur 0.5% auf die Gentechnologie. In der Schweiz wurden in den letzten Jahren in der Chemiebranche ständig Stellen abgebaut (34). Aus dieser Sicht ist die Bedeutung der Gentechnik auf dem Arbeitsmarkt nicht sehr hoch. Die drei Basler Chemiefirmen Ciba, Sandoz und Roche haben in den Jahren 1990-1995 sieben Milliarden Dollar in die Gentechnologie der USA investiert (35). Dies lässt eine starke Gewichtung der Auslandstandorte erkennen. Die Verluste und Umsätze ( in Milliarden Dollar) der US-Biotech-Firmen betrugen in den Jahren (34);
Wobei mit ca. 80% der Schwerpunkt der US-Gentechnik im human-medizinischen Bereich liegt. Die Gentechnologie-Branche hat aus naheliegenden Gründen einen sehr hohen Investitionsbedarf, weshalb im Gegensatz zu traditionellen Firmen ein starkes Missverhältnis zwischen Forschungskosten und Ertrag besteht (37). In Deutschland wird jeder Gentechnik-Arbeitsplatz mit jährlich 29000 DM subventioniert. Auch in der Schweiz wird der Aufbau einer Gentech-Industrie auf die massive Zufuhr von öffentlichen Mitteln angewiesen sein. Eine wesentliche Verlagerung der Bedeutung der Standortfaktoren innerhalb der nächsten Jahren ist trotzdem nicht zu erwarten (38). Gentechnisch hergestellte Medikamente bringen nur eine wesentliche Umsatzsteigerung, wenn neue Anwendungen auf breiter Front stattfinden und nicht nur, wie beim Insulin, das herkömmliche durch ein neues Medikament ersetzt wird. Oekonomisch begründete Gentechnologieförderung ist demnach in Zukunft kritisch zu hinterfragen.
Soziale und politische Implikationen: Ist es nicht ökonomisch wichtig zu wissen, ob eine finanziell sehr aufwendige Gentechnologie für die Drittweltländer wirtschaftlich sinnvoll und finanzierbar ist und ob sie dadurch nicht noch viel mehr in die Abhängigkeit der Industrieländer gedrängt werden? Wie sieht die Sozialverträglichkeit aus bei der Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit den neuartigen gesundheitlich-ökologischen Risiken (Mitsprache- und Entscheidungsprozesse, Beteiligungsansprüche etc.)? Welche Konsequenzen sind zu erwarten in der Verteilung der neuen Güter, Vereinbarkeit von Sicherheit und Freiheit, Erhaltung von organisch gewachsenen Sozialsystemen wie Kleinbauern, Naturvölker etc.? Werden die neuen gentechnischen Produkte für die Bevölkerung in den armen Ländern überhaupt erschwinglich sein, oder werden sie zur Vergrösserung der Wohlstandsdifferenz zwischen Nord und Süd beitragen? Sind gentechnisch erzeugte Medikamente (Gene-Farming) und vor allem Diagnostika für den grössten Teil der Menschen auf dieser Erde gesundheitspolitisch überhaupt relevant, in Anbetracht der Tatsache, dass man hauptsächlich mit der Hebung des Wohlstandes, der Hygiene, der Bildung, der Gleichberechtigung der Frauen und einer ausgewogenen Ernährung die Morbiditäts- und Mortalitätsraten in der dritten Welt wesentlich senken könnte? Könnten nicht Massnahmen wie eine veränderte Nahrungsmittelpolitik, im Sinne einer drastischen Senkung der Futtermittelproduktion für die Fleischproduktion zugunsten der Kultivierung von Nahrungspflanzen, den Welthunger massiv entschärfen? Sechs Siebtel der weltweiten Pflanzenproduktion endet in der Fleischproduktion wo 90% der Primärenergie verloren geht (39)! Fördert nicht die Einführung von Standard-Gentech-Pflanzen die Monokultur mit all ihren negativen Folgen? Die Ausweitung von Mischkulturen mit einheimischen Pflanzen und ökologischer Anbauweise würde hingegen die Entwicklung von kleineren sozialen Einheiten unterstützen und viel zur Erhaltung der Artenvielfalt und Artresistenz beitragen. Sollte nicht die Nahrungsmittelproduktion vermehrt wieder dorthin verlagert und konsumiert werden, wo die Nahrungsmittel naturgemäss vorkommen, anstatt Pflanzen gentechnisch so zu verändern, dass sie an völlig unnatürlichen Standorten gedeihen können? Wir Aerztinnen und Aerzte für Umweltschutz sind überzeugt, dass diese und noch viele unerwähnte sozial-politische Fragen dringend beantwortet werden müssen, bevor wir Mechanismen in Gang setzten, die wir nicht mehr beherrschen können.
Transgene Tiere und Ethik: Der Schweizerische Wissenschaftsrat hat im Zusammenhang mit transgenen Tieren einen Fragenkatalog aufgestellt und ist zum Schluss gekommen, dass die Bedeutung transgener Tiere in der Erforschung menschlicher Krankheiten sich noch nicht klar abschätzen lässt (42). Die Diskussion zum wissenschaftlichen Aspekt der Genmanipulation an Tieren würde den Umfang dieses Artikels sprengen, weshalb ich mich auf ethische Ueberlegungen beschränke. Das höchste Gut eines jeden Lebewesens ist sein individuelles Leben und sein grösstes Interesse besteht darin, es sich zu erhalten; dieses Dogma bleibt wohl unbestritten. Zu jedem individuellen Leben gehört auch seine ganz spezifische Würde, welche in unserer Bundesverfassung (Art. 24 Novies Abs. 3) allen Kreaturen garantiert wird. Wir wissen, was Menschenwürde ist, aber was verstehen wir unter der Würde der Kreatur? Ist die Würde unter den Lebewesen hierarchisch abgestuft, was eine Wertung impliziert, oder kann sie artspezifisch und in seinem Wert der Menschenwürde gleichgestellt sein? Je nach philosophisch-religiöser Denkrichtung fällt die Beurteilung verschieden aus. So vertritt J. Schenkel (43) die anthropozentrische Sicht: " Transgene Experimente sind sicherlich dann vertretbar, wenn sie zum Verstehen von Mechanismen von schwer oder nicht heilbaren Krankheiten oder zur Grundlagenforschung beitragen, falls diese Fragestellungen anderweitig nicht beantwortet werden können. Ebenfalls akzeptabel ist die Pharmaproduktion mit transgenen Tieren." Eine gegensätzliche Sicht beschreibt der wissenschaftliche Beirat des Umweltbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland 1991 (44): "Eine Nutzung der Tiere ist nur zulässig, solange sie weder mit Schmerzen noch mit Leiden zugunsten erhöhter Produktionsleistung für den Menschen verbunden ist und solange die Würde der Tiere gewahrt bleibt. Auch das Leben der Tiere ist grundsätzlich geschützt. Die Tötung von Tieren ist lediglich als Barmherzigkeit geboten, um ein unheilbares Leiden zu beenden, oder sie muss als Notwehrhandlung und in vergleichbaren Extremsituationen hingenommen werden". G.M.Teutsch (44) kommt in seiner Studie von 62 Autoren, die sich mit der Würde des Menschen und der Mitwelt befassen, zum Schluss: " Tiere werden in ihrer Würde als Kreatur gefährdet oder verletzt, wenn ihr Anderssein als Tiere und ihr spezifisches Sosein sowie ihre Entwicklungsmöglichkeit nicht akzeptiert, sondern verändert wird und wenn sie überwiegend als Mittel und zuwenig als Zweck an sich betrachtet werden. Dies trifft insbesondere bei gentechnischen Eingriffen zu und wenn die Tiere zu reinen Messinstrumenten degradiert werden, z.B. in der Toxizitätsprüfung". Wir Aerztinnen und Aerzte für Umweltschutz unterstützen vollumfänglich die These von G.M.Teutsch und sind der Meinung, dass die Würde von Mensch und Tier unteilbar ist. Die Kreatur hat einen Eigenwert und Selbstzweck unabhängig der Nutzungsinteressen des Menschen und damit eine Würde. Teutsch schreibt (44): "Die Würde der Kreatur fordert uns auf, ihren Eigenwert zu achten, der unabhängig von all unseren Wertsetzungen besteht. Zu solcher Achtung ist nur der einsichtsfähige Mensch in der Lage. Sich bei Handlungen vom Wohl anderer Lebewesen leiten zu lassen, ist deshalb immer auch eine Frage menschlichen Selbst- und Weltverständnisses und damit letztlich eine Frage menschlicher Würde". Diese Sicht hat weitreichende Konsequenzen und fordert unsere Gesellschaft auf, auch auf mögliche Vorteile der menschlichen Interessen auf dem Gebiet der Forschung, Medizin und Wirtschaft zu verzichten, wenn damit die Würde der Kreatur erhalten wird und Leiden in der Tierwelt vermieden werden kann. Dies ist um so nachdrücklicher zu fordern, da die Erfahrung zeigt, dass Tiermodelle nur sehr rudimentär zu erfolgreichen Therapieansätzen bei menschlichen Erkrankungen führen (z.B. Onkomaus, cystische Fibrosemaus etc.). Die Tierzahlen können mit transgenen Modellen zwar für einen einzelnen Versuch reduziert werden, andererseits scheint es jedoch durch die starke Expansion des transgenen Bereiches insgesamt zu einer Vermehrung der Tierversuche zu kommen (45). Die Generierung eines transgenen Tieres ist mit schweren Belastungen verbunden (45) und die Zahl der Qualzuchten hat durch die gentechnische Veränderungen von Tieren stark zugenommen (42). Wir lehnen eine Güterabwägung zwischen Tierbelastung und menschlichem Nutzen ab, weil die Genmanipulation am Tier per Definition und der Tatbestand der schweren Belastung allein schon die Würde der Kreatur verletzt. Alternativen auf der Stufe der zell- und molekularbiologischen Methoden der Gentechnologie betrachten wir als Ersatz für transgene Tiere und fordern den Schwerpunkt der Investitionen in diesem Gebiet der Bio- und Gentechnologie.
Fazit: Die Wissenschaft hat nach der Atomenergie ein weiteres Mal eine Grenze erreicht, die sie ohne den gesellschaftlichen Konsens, mag es noch so utopisch klingen, nicht überschreiten darf. Wegen der Tragweite der Gentechnologie für Mensch und Natur, darf der Entscheid nicht den Experten und intern rekrutierten Ethik-Komissionen überlassen werden, sondern er muss nach grundlegendem, offenem Diskurs durch die gesamte Gesellschaft getragen werden. Dabei ist wichtig, dass bei der Entscheidungsfindung alle Interessenvertreter paritätisch beteiligt sind. So könnte eventuell eine allzu einseitig anthropozentrisch begründete Nutzungsargumentation relativiert werden. Insbesondere erfordert es neue ökologische und soziale MaDFstäbe, welche der Mitwelt den ihr gebührenden Wert und die Würde zugestehen, auch wenn die Menschheit dafür auf Erkenntnisgewinn verzichten muss. Mit der kommenden Gen-Schutz-Initiative haben wir die Gelegenhei, in der Schweiz diesen Diskurs zu eröffnen. Literaturverzeichnis:
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