European Vegetarian
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Die Gewalttätigkeit des Menschen

English - aus European Vegetarian, Ausgabe 2-3/2000

Ich denke, es ist eine Schwäche der Sozialwissenschaftler, Gewalttätigkeit als Massenphänomen nicht vorauszusehen und zu verhindern. Vielleicht haben sie auf diesem Gebiet nicht genügend Kenntnisse. Es ist schon merkwürdig. Der Akt des Tötens ist ein primitiver Akt. Zufällig gibt es ein russisches Sprichwort: "Es ist leichter zu zerstören, als zu erschaffen." Jedes menschliche Leben bedarf der Fürsorge und des Schutzes über eine Zeit hinweg, kann jedoch in jedem Moment zerstört werden. Es wird uns gelingen, dieses Problem zu lösen, wenn wir den Prozess des Tötens genauer betrachten. Dann wiederum können wir die "Objekte" dieses Akts identifizieren. Prof. R. Baenninger (Temple University USA, 1991) nannte diese Opfer "Zielscheiben". Auf diese Weise können wir eine endlose Liste von Opfern im täglichen Leben gewöhnlicher Leute benennen. Es sind Insekten, Fische, Vögel und andere Tiere.
Diese Lebewesen gleichen dem Menschen anatomisch, physiologisch und im Verhalten mehr oder weniger - abhängig von ihrer evolutionären Entwicklung. So können wir den Menschen wahrnehmen als jemanden, der entweder zum Mörder oder zum "Kunden" des Mörders wird. Der nächste Schritt ist, den Übergang vom Töten der Tiere zum Mord an Menschen zu erforschen. Dann müssen wir herausfinden, welche Faktoren dies verhindern oder begünstigen. Durch diesen gedanklichen Prozess erlangen wir ein besseres Verständnis der Entwicklung von Mördern und können die Barriere einer nach erfolgter Tat durchgeführten Analyse überwinden.

Entwickelt man das oben Genannte weiter, so gelangt man zu folgenden Gesichtspunkten: 1.Von Kindesbeinen an ist dem Menschen die Gewohnheit zu zerstören vertraut, gewöhnlich durch die Eltern.
2.Er wächst als Mörder mit einer bestimmten Ideologie und bestimmten Fähigkeiten auf. Daraus erfolgt, dass er unter bestimmten Umständen diese gewohnheitsmäßige Tat einem "nicht-gewöhnlichen" Opfer zufügen kann - seinem Mitmenschen. Diese Umstände wurden von Kriminologen, Soziologen und Psychologen gut erklärt.
3. Individuelle (der Wahnsinnige) oder kollektive (Banden, Militaristen) Formen der Teilnahme sind entsprechend der Situation bestimmt.
Ich würde gerne das folgende Schema als Modell eines typischen Verhaltens im Falle eines Angriffs vorschlagen:
a) Eine Person reduziert die Qualitäten ihres Opfers auf eine oder zwei ( zum Beispiel "schlecht", "schwarz", "schmutzig" und "gefährlich"). Möglicherweise reduziert eine Person ihre eigenen Gefühle (Hass, Zorn, Leidenschaft, Sadismus, Wollust, Gier usw.). Vielleicht reduziert sie ihre gegenseitigen Beziehungen zu dem Opfer (er / sie stört mich, es ist gewinnbringend ...). Das Phänomen kann man mit einem Blick auf das Opfer durch das Visier eines Gewehrs vergleichen.
b) Dann mag sich die Person an ihre früheren Opfer (häufig Tiere) erinnern, Missbrauch zum Ausdruck bringen oder sich ein Symbol vorstellen.
c) Die Person wird dann versuchen zu töten, beim Töten Hilfestellung leisten oder nur den Tötungsauftrag geben, wie sie es gewöhnlich tut. Alternativ gibt es das "Freund-Fremder" Modell, wobei der Fremde entweder getötet oder "benutzt" wird.
Die Menschen verüben die gleichen Taten untereinander, wie sie es gegenüber Tieren getan haben. So sind z.B. Rinderfarmen und Schlachthäuser die Prototypen der Konzentrationslager. Der Mensch vergiftet Insekten und entwickelt dann und benutzt chemische Waffen usw. Wir erinnern uns an die Schlagworte der Militärpropaganda: "hundsgemeine Intellektuelle", "Russenschweine", "faschistische Bestien", "guasanos" (Würmer, die auf Kuba leben) usw.
Auf andere Weise mögen Menschen das Image von Tieren benutzen, um ihre Angriffslust zu stimulieren. Staatsinsignien, Embleme der Streitkräfte und die Handelsmarken verschiedener Waffen ("Adler"-Flugzeuge oder "Tiger"-Tank).
Es gibt eine Menge anderer Gesichtspunkte und Themen bezüglich dieser Ideenaufstellung hinsichtlich des Übergangs vom Töten der Tiere zum Mord am Menschen. Ich kann über den Einfluss des Tötungsakts auf die Seele und den Charakter des Menschen sprechen. Darüber hinaus kann ich viele Aspekte des Terrorismus, Totalitarismus, der Struktur und Funktion des Heeres, Kriminalität, Selbstmord, Gefahr, Depression usw. erklären.

(sf)

Stanislav Mordynsky ist unabhängiger Gewaltforscher und hat den 1. Grad als Student der Russischen Akademie der Wissenschaften (St. Petersburg) absolviert. Seit zehn Jahren arbeitet er an dem Thema "Wurzeln von Krieg, und Terrorismus, sowie Ursachen von Kriminalität".
Stanislav Mordynsky würde gerne Kontakt mit Kollegen aufnehmen, um einige Informationen über Konferenzen, Gemeinschaften, Zuschüsse und andere Formen des Kontakts und der Zusammenarbeit zu erhalten.



Weitere Informationen:
Stanislav Mordynsky,
s. Novaya Slobodka
Korotcha raion
Belgorod region
e-mail: zheka@solaris.ru

Translated by Bettina Alexandra Geßlein

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