European Vegetarian
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Die Zukunft der Tierrechtsbewegung

von Helmut Kaplan

English - aus European Vegetarian, Ausgabe 2-3/2000

Was hält die Zukunft für die Tierrechtsbewegung bereit? Wird sie gelingen oder wieder untergehen? Bei so vielen Hoffnungen und Befürchtungen ist eine nüchterne Analyse von entscheidender Bedeutung: was sagt Gutes für die Tierrechtsbewegung voraus und was verkündet Unheil?
Verstand und Moral deuten unzweifelhaft auf eine erfolgreiche Zukunft für die Tierrechtsbewegung hin. Niemand kann ernsthaft leugnen, dass die Tierrechtsbewegung die logische und beständige Fortsetzung anderer - anerkannter - Befreiuungsbewegungen ist (z. B. derjeniger, die zur Abschaffung der Sklaverei oder der Emanzipation der Frauen führten). Es ist von jeher und auch heute noch eine Frage der Erkenntnis und Überwindung moralischer Diskriminierung, die auf moralisch irrelevanten Charakteristiken beruht - ob nun Hautfarbe, Geschlecht oder Spezies.
Der menschliche Egoismus jedoch lässt Böses für die Tierrechtsbewegung ahnen. Natürlich ist es leichter und bequemer Tiere auszubeuten als ihnen zu helfen. Darüber hinaus werden Tiere niemals einen Aufstand gegen uns organisieren. Wir könnten sie deshalb ungestraft grenzenlos quälen und ausbeuten.
Wenn der Egoismus des Menschen beteiligt ist, haben natürlich alle anderen Kräfte einen Kampf durchzustehen, besonders da solcher Egoismus sich in diesem Zusammenhang als moralischer Fortschritt so elegant verkaufen lässt: "Es ist nicht die Hautfarbe einer Person, die von Bedeutung ist, sondern die Tatsache, dass es sich um einen Menschen handelt!" Über die abstrakte Frage bezüglich der Zukunft der Tierrechtsbewegung hinaus, dürfen wir die weit wichtigere und verwandte Frage nicht vergessen, was wir als Einzelne(r) konkret in der Praxis tun können. Wir sollten nicht nur die Haltung einnehmen: jede(r), die / der nicht Teil der Lösung ist , bleibt Teil des Problems. Nein, vor allem sollten wir uns darauf konzentrieren: jede(r), die / der einen Teil der Lösung bildet, verringert das Problem!
Und das Problem hat sich bereits reduziert: wer hätte sich vor zehn Jahren, als man Vegetarier immer noch fast als Außerirdische betrachtete, träumen lassen, dass heute "sich offen bekennende" Vegetarier von jungen Veganern dafür kritisiert werden, dass sie nicht konsequent genug seien!

Dr. Helmut Kaplan wurde 1952 in Salzburg / Österreich geboren. Er hat Studienabschlüsse in Philosophie und Psychologie und ist Autor des Artikels "Vegetarianism" (Vegetarismus) in dem Lexikon "Encyclopedia of Applied Ethics" (Enzyklopädie der angewandten Ethik), San Diego: Academic Press, 1998.

Er ist ein Vorkämpfer der Tierrechtsbewegung in der deutschsprachigen Welt. Seine zahlreichen Bücher und Artikel haben erheblich zur Verbreitung der Idee der Tierrechte beigetragen. Kaplans Buch "Leichenschmaus" ("Funeral Banquet"), das im Rowohlt Verlag erschien, wird mittlerweile als "Bibel der radikalen Vegetarier" bezeichnet.
"Tierrechte" ("Animal Rights") ist eine umfassende Beschreibung der Vorstellungen, Argumente und Theorien, die die intellektuelle Grundlage der Tierrechtsbewegung bilden.

Kontaktperson::
Mag. Dr. Helmut Kaplan,
Post Box 261, A-5010 Salzburg,
Austria, Tel: + 44 (0) 662 843458

Translated by Bettina Alexandra Geßlein

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