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Tierversuche - als Wissenschaft zu bezeichnen?von Nick DrakeEnglish - aus European Vegetarian, Ausgabe 2-3/2000 |
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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Verwendung von Tieren zu experimentellen Zwecken und versucht zu verstehen, ob oder ob nicht, es sich hierbei um wissenschaftliche Arbeit handelt, d.h. ob Versuche an lebenden Tieren in den Rahmen anerkannter Definitionen guter wissenschaftlicher Praxis fallen. Der Begriff "Tierversuch" wird dem Ausdruck "Vivisektion" vorgezogen, obgleich beide häufig synonym verwendet werden: Vivisektion kann auch Experimente an gesunden Personen einschließen, zum Zwecke des Studiums von Erkrankungen des Menschen; mit diesem kontroversen Thema wollen wir uns hier jedoch nicht beschäftigen. Weiterhin geht es nicht darum, eine Vielzahl bestimmter Beispiele von Versuchen zu diskutieren. Viele Einzelpersonen und Organisationen haben über solche Arbeiten viele Male zuvor geschrieben und dies ist der Öffentlichkeit zugänglich. Statt dessen werden grundsätzliche Prinzipien der wissenschaftlichen Methode vorgestellt, mit dem Ziel die Frage zu beantworten: "Sind Tierversuche wissenschaftlich?" Was ist Wissenschaft? Wiederholbarkeit: Wirtschaftlichkeit: Messbarkeit: Heuristik: Übereinstimmung: Folgen Tierversuche diesen Prinzipien? Der Tierversuch und die wissenschaftliche Methode Experimente an vollständigen, lebenden Tieren (einschließlich solcher an Menschen) sind im allgemeinen nicht reproduzierbar. So kann zum Beispiel das Alter des Tieres verschiedene, unvorhersehbare Ergebnisse durch denselben Reiz hervorrufen. Die Tages- oder Jahreszeit und die Haltungsbedingungen der Tiere können die Ergebnisse selbst einfacher Tests verändern. Solche Ergebnisse sind an sich falsch innerhalb der betroffenen Art - es wäre sinnlos, sie auf eine andere Art zu extrapolieren. Vielleicht ist die Wahl des Tieres für jeden Versuch noch alarmierender. Das Innenministerium gibt an, dass 1998 annähernd 2,5 Millionen Tiere in wissenschaftlichen Verfahren benutzt wurden (und es wird geschätzt, dass mindestens weitere vier Millionen als "Abfall" getötet wurden, - gezüchtet, jedoch niemals zu Versuchszwecken eingesetzt). Mehrheitlich handelte es sich hierbei um Ratten und Mäuse. Jedoch hatte man nicht Ratten und Mäuse gewählt, weil diese die ähnlichsten biochemischen Reaktionen verglichen mit denjenigen des Menschen zeigten, sondern eher deshalb, weil sie billig sind und schnell gezüchtet werden können. Wissenschaftlich betrachtet würde man erwarten, dass Versuche für die das Motiv eine Erkrankung des Menschen ist, an Menschen, die an solchen Krankheiten leiden, durchgeführt werden; die zweitbeste Wahl wären gesunde Menschen, die sich freiwillig zur Verfügung stellen, und wenn keine Person hierfür vorhanden ist, so wäre die Entscheidung für das Meerschweinchen, den Schimpansen und andere Primaten noch die am wenigsten schlechte Entscheidung für ein Tier. Die Haltung von Schimpansen ist jedoch teuer, ihre Züchtung schwierig und sie können weit schlimmer zubeißen als jede Maus. Wissenschaft ist kein Hauptfaktor, wenn es darum geht, die Subjekte der Experimente an lebenden Tieren auszuwählen. Tierversuche sind im wissenschaftlichen Sinne nicht ökonomisch. Die "Methode" des Tierversuchs arbeitet nach folgendem Prinzip: ein Forscher versucht nach Vorbild einer Erkrankung des Menschen, diese bei einer anderen Art zu erzeugen, eventuell indem er einen pathogenen Wirkstoff einimpft. Hieraus entwickelt sich eine Infektionskrankheit bei dem Tier, die sich von der beim Menschen vorkommenden Form unterscheidet, die der Forscher versucht, mit einer Vielzahl von Arzneidrogen zu heilen. Mit anderen Worten: diese Methode bringt mit jedem Schritt Fehler, die sich geometrisch multiplizieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine für das "Tiermodell" gefundene Form der Heilung mit tolerierbaren geringen Nebenwirkungen auf den Menschen übertragbar ist, nähert sich der Nulllinie mit jeder Handlung, die der Forscher unternimmt. Darüber hinaus gibt es keine "allgemein anerkannten Maßstäbe", die es erlauben würden, die bei einer Art gemessenen Reaktionen auf diejenigen einer anderen Art anzuwenden. Verallgemeinerungen von Tierversuchen sind niemals eindeutig. Es spricht jedoch einiges dafür, Tierversuche als heuristisch zu bezeichnen, denn es gibt deutliche Beispiele für zufällig gemachte, nicht erwartete Entdeckungen. Aber viele dieser Entdeckungen sind Beobachtungen unerwarteter Ergebnisse, z.B., dass ein Arzneimittel den gegenteiligen Effekt des vorausgesagten hat. Solche Entdeckungen widersprechen fast immer den Originalprinzipien oder -hypothesen; die Arbeit ist nicht wirklich heuristisch. Moderne Labors versuchen Experimente reproduzierbar zu machen, in dem sie Tiere benutzen, die so weit wie möglich dem Standard entsprechen. Den Tieren werden standardisierte Nahrungsmittel verabreicht und ihre Haltungsbedingungen sind so identisch wie möglich. Das Ergebnis sind jedoch keine der Norm entsprechenden Tiere, sondern abnormale, sogar kranke Tiere, deren natürliche Impulse durch derartige Standardisierung gelähmt wurden. Es wäre in höchstem Maße unrichtig Analogien zwischen solchen Tieren und dem Menschen herzustellen, dem es in den meisten Fällen gelingt, unterschiedliche Nahrung zu sich zu nehmen, alles ihn Umgebende zu berühren und der täglich unzähligen, willkürlichen Substanzen ausgesetzt ist. Biomedizinische Forschungsmethoden Zell- und Gewebekulturverfahren finden vielfach Anwendung in der Forschung und haben ein großes Potenzial, viele unzufriedenstellende an Tieren durchgeführte Verfahren zu ersetzen. So müssen zum Beispiel Substanzen, die zum menschlichen Gebrauch vorgesehen sind, Testverfahren auf Toxizität an menschlichen Zellen und Gewebekulturen unterzogen werden. Gegenwärtig werden viele dieser Toxizitätsprüfverfahren immer noch am ganzen lebenden Tier, also nicht der menschlichen Art zugehörigen Lebewesen, durchgeführt! Epidemiologie - das Studium von Erkrankungen innerhalb ganzer Bevölkerungsgruppen - kann zu einer gewaltigen Erweiterung des Wissens mit hoher Genauigkeit und geringem Risiko führen. Erhebliche Fortschritte in unserem Verständnis von zum Beispiel Krebs und HIV könnten einfach durch Beobachtung ihrer charakteristischen Merkmale innerhalb spezifischer Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Statt dessen werden derzeit riesige Geldsummen für Laborforschung für Heilmittel zur Behandlung solcher Beschwerden ausgegeben, bevor wir irgendein tieferes Verständnis ihrer Verbreitung innerhalb der Gesellschaft haben. Die Erstellung von DNA-Profilen ist sicherlich umstritten, wird jedoch unzweifelhaft ein wichtiges Verfahren für die pharmazeutische Industrie werden. Es ist wahrscheinlich, dass in Zukunft Verschreibungen auf jeden Patienten gemäß seiner DNA-Analyse der voraussichtlichen Reaktionen auf verschiedene Arzneimittel zugeschnitten werden und im Prinzip könnte wenigstens dies sowohl Testprogramme mit Tieren als auch mit Menschen deutlich reduzieren. Der Einsatz von Computern erlaubt dem Forscher viel mehr mögliche Kombinationen potenzieller Medikation zu erforschen als sie jedes Laborforschungsprogramm zur Verfügung stellen könnte. Zusammenfassend kann man sagen, dass das natürliche Modell für Erkrankungen des Menschen der kranke Mensch ist, nicht das gesunde Tier oder für diesen Zweck gezüchtete Tiere, die durch Nachahmung einer Krankheit des Menschen krank gemacht wurden. Es ist traurig, dass eine Vielzahl von Menschen weltweit von Krankheit betroffen ist und viele Krankheiten existieren, für die wir immer noch bessere Vorsorge und / oder Heilmöglichkeiten benötigen. Dies ist eine Situation, die sich nicht verbessern wird, solange Regierungen, Universitäten und Pharma-unternehmen weiterhin fälschlicherweise ihre Forschungsbemühungen auf Tierexperimente konzentrieren. Forscher müssen sich auf die Suche nach den Kranken machen, wo immer diese weltweit zu finden sind, und sich mit ihnen im Kampf um die Verbesserung der Gesundheit des Menschen verbünden. Schlussfolgerung Aus wissenschaftlicher Sicht sind Tierversuche unlogisch und führen zu Ergebnissen, die nicht frei reproduzierbar sind. Sie folgen nicht dem Standard wissenschaftlicher Methodik. Medizin sollte sich nicht durch Versuch und Irrtum fortentwickeln, weil "Fehler" menschlich sind und Tiere Lebewesen. Interessante Zitate Quellenangabe: |
Translated by Bettina Alexandra Geßlein