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Vegetarische Ernährung - die Kostform des 21. JahrhundertsEnglish - aus European Vegetarian, Ausgabe 1/2000 |
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Vor einigen Jahren erzählte mir der aus New York stammende religiöse Gelehrte Dr. Alan Wauters, dass Nostradamus (französischer Astrologe, 1503 - 1566 - bekannt für seine Prophezeiungen) gesagt haben soll, dass Ende des 20. Jahrhunderts das Rauchen in öffentlichen Gebäuden untersagt und zu Beginn des 21. Jahrhunderts Fleischessen Tabu sein wird.
Weltweit, besonders jedoch in den westlichen Ländern, gibt es Beweise, dass diese Vorhersehung nicht weit von der Wahrheit entfernt ist. GesundheitMehr und mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder reduzieren ihren Fleischkonsum drastisch. Vegetarismus ist ein neuzeitlicher Trend, der vor allem die junge Generation anzieht. Zwischen 30 - 40 % aller an Universitäten in Deutschland und der Schweiz angebotenen Mahlzeiten sind vegetarisch. Während vor 30 bis 40 Jahren nur wenige Leute den Begriff "Vegetarismus" kannten, kennt heute jedes Kind dieses Wort. Viele epidemiologische Studien haben bewiesen, dass ein vegetarischer Lebensstil gesünder ist und - im Gegensatz zu den Behauptungen der Fleisch- und milchverarbeitenden Industrie - ist mittlerweile bekannt, dass es nicht nur möglich ist, auf tierisches Eiweiß zu verzichten, es wird sogar empfohlen. Eine große Anzahl der bereits vor vielen Jahren durchgeführten Studien kommt erst jetzt dank des Internet ans Tageslicht. Dieses erlaubt authentische Information, die von allen und jedem in unzensierter Form beurteilt werden kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass dank der weltweiten Vernetzung die vegetarische Lebensweisel von immer mehr Menschen in allen Ländern schnell angenommen wird. Die berühmtesten Naturforscher - d.h. Carl Linné, Alexander Humboldt, Charles Darwin - ließen keinen Zweifel daran, dass der Mensch ein Pflanzenesser ist. Sie schlossen dies aus Forschungsarbeiten über die Herkunftsgeschichte und aus der vergleichenden Anatomie. Wenn Menschen Fleisch essen, ist dies dasselbe, wie wenn man Kühe dazu zwingt, tierisches Eiweiß zu sich zu nehmen. Die Rinderseuche (BSE) und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit haben der Welt gezeigt, welche Auswirkungen eine nicht naturgemäße Ernährung auf die Kreatur hat. Krebs, koronare Herzerkrankungen, Rheumatismus, Arteriosklerose, Diabetes, Parkinsonsche Krankheit, Alzheimer, Creutzfeldt-Jakob und Osteoporose sind nur einige wenige der Erkrankungen, die rapide zugenommen haben - gleichzeitig mit dem wachsenden Konsum verarbeiteter Nahrungsmittel und Produkten tierischer Herkunft. Während des letzten Jahrhunderts hat man mit der Ernährung in westlichen Ländern einen sündigen Umgang betrieben und bedauerlicherweise scheint sich dieser Trend nun auch auf Asien auszudehnen. Im Vergleich zum Jahr 1900 konsumiert heutzutage der Verbraucher in Europa und Amerika im Durchschnitt 35 % mehr Milchprodukte, 50 % mehr Rindfleisch, 70 % mehr Fisch, 120 % mehr Eier und 280 % mehr Geflügel. Während desselben Zeitraums - mit Ausnahme der Kriegsjahre - stieg die Zahl der Herz- und Krebserkrankungen um 3 - 5 % jährlich und die Tendenz ist immer noch steigend. Krebs ist die häufigste Todesursache bei Kindern unter zwölf Jahren. Statt eine gesündere Lebensweise zu empfehlen und zu versuchen, solche gesundheitlichen Risiken zu reduzieren, werden in der medizinischen Forschung neue Wege zur Transplantation zerstörter Organe geschaffen. Nachdem man den Bestand der zur Verfügung gestellten menschlichen Organe, der niemals groß genug ist, ausgeschöpft hat, untersucht man jetzt die entsetzliche Aussicht auf Fremdtransplantation (Transplantation eines Tierorgans beim Menschen), bei der Tiere - insbesondere Schweine - zu Ersatzteillagern gemacht und ihrer Organe beraubt werden. Zerstörung unserer Umwelt Mehr als sechs Milliarden Einwohner leben auf unserer Erde und jede Sekunde werden fünf Kinder mehr geboren. Wie können sie alle satt werden? Eine auf Fleisch basierende Nahrung erfordert zwanzigmal soviel Land und vierzehnmal soviel Wasser wie eine Kost auf pflanzlicher Basis. Für die Produktion von 1 kg Fleisch benötigt man 10 - 16 kg Getreide und andere pflanzliche Nahrung. 70 % der Wasserproduktion der Welt wird für die Futtermittelherstellung benötigt. Über 70 % des produzierten Fleisches ist Abfall! Die an BSE erkrankten Rinder haben uns gezeigt, was passiert, wenn dieser Abfall als "konzentriertes Futter" bei Pflanzenfressern eingesetzt wird. Tierexkremente (110 t pro Sekunde in Europa und Amerika), Pestizide und Düngemittel sind verantwortlich für die Verschmutzung von Seen, Flüssen und des Grundwassers (Fische entwickeln sich zu Zwittern und werden unfruchtbar). Zweidrittel der Exkremente sind natürlicher Dünger in flüssiger Form. Das Freisetzen von Ammoniak aus dieser Flüssigkeit ist nach Umwandlung in Salpetersäure teilweise die Ursache des sauren Regens. 85 % des Ammoniaks, der als hauptverantwortlich für das Waldsterben gilt, entsteht durch Emissionen, die von den Viehbeständen herrühren. Tierleid Der Hauptgrund jedoch, warum wir auf Fleisch verzichten sollten, ist, dass empfindungsfähige, leidende Geschöpfe dafür ihr Leben lassen müssen. Jedes Jahr werden weltweit 13 Milliarden Tiere geschlachtet. Die Produktion eines solch großen Viehbestandes ist nur in Tierfabriken möglich. Die Tiere sind auf engstem Raum zusammengepfercht, haben keinen Platz zum Ausruhen, werden unnatürlich ernährt und haben keine sozialen Kontakte. Alles das verursacht bei den Tieren eine permanente Stresssituation und die Qual muss mit einer zunehmenden Menge an Medikamenten, Antibiotika, Hormonen, Drogen, Beruhigungsmitteln usw. bekämpft werden. Die im Körper des Tieres angesammelten Medikamente werden dann letztlich dem Verbraucher aufgetischt. In jüngster Zeit ist die Produktion von "Bio"-Fleisch populär geworden. Aufzucht und Haltung der Tiere geschieht unter sogenannten natürlichen Bedingungen. Es bleibt jedoch der Tatbestand, dass das Wertvollste, das sie besitzen - ihr Leben - ihnen im allgemeinen nach nur sehr kurzer Dauer genommen wird. "Bio" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Leben". Es lohnt sich zu beachten, dass vor nicht allzu langer Zeit Brigitte Bardot sagte, dass Fleisch als "nett dekorierter Kadaver" serviert wird. Immer mehr berühmte Persönlichkeiten sind bereit, sich mit Stolz dazu zu bekennen, dass sie Vegetarier sind: Martina Navratilova, Edwin Moses, Richard Gere, Bruce Springsteen, Paul McCartney, Robert Redford, Madonna, Tina Turner, Whitney Houston, Montserrat Caballé, Königin Sofia von Spanien, der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger, Stevie Wonder und Peter Gabriel, um nur einige wenige zu nennen. In der Vergangenheit gab es immer Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen für eine vegetarische Lebensweise entschieden: Albert Einstein, Bonifatius, Chrysostomus, Benjamin Franklin, Mahatma Gandhi, Sven Hedin, Horaz, Alexander Humboldt, Charles Darwin, Isaac Singer, Leonardo da Vinci, Zarathsutra, Mutter Theresa. Zur Vervollständigung möchte ich einige Zitate von berühmten Vegetariern hinzufügen, die "Noch-Fleischessern" helfen mögen, ihre Essgewohnheiten zu überdenken: Albert Schweitzer sagte: "Nichts auf der Erde wird der Gesundheit des Menschen zuträglicher sein und die Chance auf dieser Erde zu überleben so sehr erhöhen, wie die Annahme einer vegetarischen Ernährung." Leo Tolstoi: "Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben." George Bernard Shaw, der mehr als 60 Jahre Vegetarier war: "Tiere sind meine Freunde und ich esse meine Freunde nicht." Sigrid De Leo, Sekretärin der Europäischen Vegetarier-UnionBluetschwitzerweg 5, 9443 Widnau, Switzerland, Tel./Fax: +41 71 722 64 45, email: evu@ivu.org |
Translated by Bettina Alexandra Geßlein