European Vegetarian
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"Menschenrechte" für Affen

Projekt "Große Menschenaffen" in Neuseeland

Spanish - English - aus European Vegetarian, Ausgabe 1/2000

Den Großen Menschenaffen und nicht zur menschlichen Rasse gehörigen Hominiden (Gorillas, Orang-Utans, Bonobos = Zwergschimpansen) wird man in Neuseeland besondere Rechte zuerkennen. Zum ersten Male in der Geschichte verabschiedete ein Land ein Gesetz, das Tierrechte schützt: Diese Tiere werden nur in Experimenten eingesetzt, wenn die Ergebnisse für die Tiere selbst oder ihre Spezies relevant sind. Versuche, die zum Nutzen des Menschen wären, werden verboten sein.

Bisher oblag es dem Staat in Fällen offensichtlichen Missbrauchs von Tieren einzugreifen. In Zukunft wird jeder Bürger in der Lage sein, die Rechte der Tiere zu verteidigen.

Der Gesetzesentwurf wurde im Parlament vorgebracht von einer Gruppe von Wissenschaftlern, Philosophen und Rechtsanwälten, die alle hinter dem sogenannten Projekt "Große Menschenaffen" stehen, einer internationalen Bewegung, die für eine Art "Menschenrecht" für Schimpansen und deren Verwandte kämpft.

Sie verlangen von der UNO eine Deklaration bezüglich der "Rechte der Großen Menschenaffen" ähnlich dem Gesetzesantrag in Neuseeland und dass die Tiere ohne richterliche Entscheidung nicht hinter Gittern gehalten werden können. Hiermit würde einen Schritt weitergegangen als mit dem Gesetzesentwurf in Neuseeland, der das erste Gesetz einer Nation auf der Welt darstellt, das die Grenze zwischen den Arten durchbricht.

Fähigkeiten von Menschenaffen
Das Projekt "Große Menschenaffen" unterstreicht die Ähnlichkeit zwischen dem Menschen und diesen Tieren: Affen können sich selbst im Spiegel erkennen, sie haben unterschiedliche Persönlichkeiten, ihre Beziehungen können von sehr tiefen Gefühlen getragen sein und sie gleichen genetisch dem Menschen zu 98,5 %.
Die Hauptvertreter des Projekts sind die Schimpansenforscherin Jane Goodall, der Evolutionsbiologe Richard Dawkins und der australische Philosoph Peter Singer. Sie vergleichen ihren Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Behandlung von Menschenaffen mit dem Kampf für die Rechte von Frauen, Homosexuellen oder geistig oder körperlich behinderten Menschen.

Medizinische Forscher befürchten, dass in der nahen Zukunft andere Tiere ebenso solche Rechte erlangen, da sie den Affen ähneln, und somit Tierversuche nicht mehr möglich wären.

Die Befürworter geben jedoch an, dass die Grenze bei denjenigen Tieren gezogen werden müsse, die sich selbst erkennen können. Dies sind nach heutigem Wissensstand lediglich die Großen Menschenaffen und Delfine.

Keine Experimente in Neuseeland
Es ist bemerkenswert, dass in Neuseeland keine Tierversuche durchgeführt werden und die 28 Schimpansen und sechs Orang-Utans auf der Insel angemessen gehalten werden. Es bleibt zu hoffen, dass andere Länder dem Beispiel folgen werden und dass das Gesetz einen Einfluss auf die Behandlung der Großen Menschenaffen haben könnte, besonders in den USA. In den Staaten befinden sich derzeit 1700 Schimpansen in Laboratorien und werden zu Versuchszwecken benutzt. Selbst in der Schweiz werden Versuche an Affen durchgeführt. Laut der jüngsten Statistik aus dem Jahre 1998 wurden 585 Affen in der Forschung eingesetzt, 90% davon in der industriellen Forschung. Es ist nicht bekannt, wie viele Große Menschenaffen sich unter ihnen befanden.

Sigrid De Leo

Translated by Bettina Alexandra Geßlein

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